Mein Jahreskreis 

Was ist der Jahreskreis?

Der Jahreskreis beschreibt den immer wiederkehrenden Lauf der Natur durch das Jahr. Er beginnt nicht an einem festen Punkt und endet auch nicht wirklich.

Er dreht sich.

Licht und Dunkelheit verändern sich. Die Erde erwacht. Etwas beginnt zu wachsen. Es reift. Es wird geerntet. Es zieht sich zurück.
Und irgendwann beginnt alles wieder von vorn.

Für mich liegt genau darin die Kraft des Jahreskreises. Die Natur zeigt uns, dass nicht jede Zeit für dasselbe bestimmt ist.

Es gibt Zeiten des Aufbruchs. Zeiten des Wachstums. Zeiten, in denen etwas in voller Kraft steht. Und genauso Zeiten des Loslassens, der Ruhe und des Rückzugs.

Keine dieser Phasen ist weniger wichtig als die andere.

Der Jahreskreis erinnert mich daran, dass Veränderung nichts Ungewöhnliches ist. Sie gehört zum Leben. So wie die Natur nicht das ganze Jahr blüht, müssen auch wir nicht ständig wachsen, leisten oder nach vorne gehen.

Manchmal entsteht etwas Neues. Manchmal darf etwas reifen. Manchmal ist es Zeit zu ernten.

Und manchmal muss etwas gehen, damit später wieder etwas Neues entstehen kann.

Im heute verbreiteten Jahreskreis werden acht Feste gefeiert. Sie liegen über das Jahr verteilt und begleiten wichtige Wendepunkte im Lauf der Sonne und der Jahreszeiten.

Für mich sind diese Feste aber mehr als einzelne Tage im Kalender.

Gemeinsam erzählen sie die Geschichte eines ganzen Jahres – vom Erwachen über die Fülle bis zum Rückzug und zum Neubeginn.

Und genau deshalb ist der Jahreskreis für mich auch ein Spiegel unseres eigenen Lebens.

Das Rad des Jahres

Wenn ich auf den Jahreskreis schaue, sehe ich keinen Kalender mit acht einzelnen Festen.

Ich sehe einen Weg.

Einen Weg durch Licht und Dunkelheit, Wachstum und Rückzug, Fülle und Leere.

Jedes Fest steht an einem anderen Punkt dieses Weges und trägt seine eigene Stimmung in sich.

Yule liegt in der dunkelsten Zeit des Jahres.
Das Licht beginnt langsam zurückzukehren.

Imbolc trägt für mich die ersten Zeichen des Erwachens.
Noch ist vieles verborgen, aber etwas beginnt sich zu regen.

Mit Ostara kommen Licht und Dunkelheit wieder ins Gleichgewicht.
Die Natur öffnet sich sichtbar dem neuen Wachstum.

Beltane steht für Lebenskraft, Verbindung, Fruchtbarkeit und das volle Ja zum Leben.

Bei Litha erreicht das Licht seinen höchsten Punkt.
Alles steht in Kraft – und gleichzeitig beginnt das Licht danach langsam wieder abzunehmen.

Lughnasadh bringt die erste Ernte.
Was gewachsen ist, beginnt Früchte zu tragen.

Mit Mabon kommen Licht und Dunkelheit erneut ins Gleichgewicht.
Es ist eine Zeit der Ernte, des Dankes und der Vorbereitung auf den Rückzug.

Und Samhain führt tiefer in die dunkle Jahreshälfte.
Es ist die Zeit des Loslassens, der Erinnerung, der Ahnen und der Schwellen.

Danach beginnt der Kreis nicht einfach von vorn.

Er beginnt neu.

Denn auch wenn die Feste jedes Jahr wiederkehren, stehen wir selbst niemals am gleichen Punkt wie im Jahr zuvor.

Wir haben erlebt.

Wir haben verloren.

Wir haben gelernt.

Wir haben etwas mitgenommen.

Und manches zurückgelassen.

Der Jahreskreis wiederholt sich – aber wir verändern uns mit ihm.

Genau deshalb empfinde ich ihn nicht als starres System.

Für mich ist er ein lebendiger Rhythmus, der zeigt, dass jeder Anfang aus etwas entsteht, das vorher gewesen ist – und dass jedes Ende bereits etwas Neues in sich tragen kann.

Licht und Dunkelheit im Jahreslauf

Der Jahreskreis zeigt für mich sehr deutlich, dass Licht und Dunkelheit keine Gegensätze sind, zwischen denen ich mich entscheiden muss.

Beides gehört zusammen.

Mit Yule beginnt das Licht langsam zurückzukehren.
Von Fest zu Fest wird es stärker, bis es mit Litha seinen höchsten Punkt erreicht.

Danach verändert sich die Bewegung.

Die Tage werden wieder kürzer.
Das Licht zieht sich zurück.
Die dunklere Jahreshälfte beginnt.

Für mich bedeutet das aber nicht, dass nun etwas „schlechter“ wird.

Auch die Dunkelheit hat ihren Platz.

Im Licht wachsen wir nach außen. Wir handeln, entwickeln, erschaffen und bringen Dinge in Bewegung.

In der Dunkelheit geht der Blick stärker nach innen.

Was brauche ich noch?

Was darf gehen?

Was möchte ich bewahren?

Und was soll vielleicht erst einmal ruhen, bevor etwas Neues daraus entstehen kann?

Die Natur zeigt uns diesen Wechsel jedes Jahr aufs Neue.

Ein Baum trägt nicht immer Blätter.

Ein Feld kann nicht ununterbrochen Ernte hervorbringen.

Und auch wir können nicht ständig in derselben Kraft stehen.

Für mich gehört deshalb nicht nur das Werden zum Jahreskreis, sondern genauso das Vergehen.

Licht und Schatten sind für mich dabei nicht gut und böse.

Sie sind zwei Seiten desselben Kreises.

Das eine macht das andere überhaupt erst sichtbar.

Und genau darin liegt für mich eine der wichtigsten Botschaften des Jahreskreises:

Alles hat seine Zeit.

Wie ich den Jahreskreis lebe

Für mich ist der Jahreskreis nichts, das nur an acht bestimmten Tagen stattfindet.

Ich nehme ihn das ganze Jahr über wahr.

In den ersten Knospen.

Im länger werdenden Licht.

In der Wärme des Sommers.

In der Ernte.

Im fallenden Laub.

In der Ruhe des Winters.

Die Feste markieren für mich besondere Punkte innerhalb dieses Kreises, aber der eigentliche Wandel geschieht ständig.

Ich richte meine Rituale, meine Beobachtungen und vieles in meiner spirituellen Arbeit nach diesen Veränderungen aus.

Manchmal geht es darum, etwas zu beginnen.

Manchmal darum, etwas wachsen zu lassen.

Manchmal um Dankbarkeit für das, was entstanden ist.

Und manchmal um Loslassen, Rückzug und die Frage, was ich nicht mit in den nächsten Abschnitt nehmen möchte.

Dabei muss für mich nicht jedes Jahreskreisfest gleich aussehen.

Nicht jeder Zeitpunkt braucht dasselbe Ritual.

Nicht jedes Jahr fühlt sich gleich an.

Ich schaue darauf, was gerade in der Natur geschieht und was gleichzeitig in meinem eigenen Leben seinen Platz braucht.

Genau deshalb ist der Jahreskreis für mich etwas Lebendiges.

Er gibt mir Orientierung, ohne mir vorzuschreiben, wie ich jeden einzelnen Schritt gehen muss.

Ich feiere nicht einfach acht Feste im Jahr.
Ich bewege mich mit dem Kreis.

Sonne, Mond und die Rhythmen der Natur

Der Jahreskreis ist für mich eng mit dem Lauf der Sonne und den Veränderungen der Jahreszeiten verbunden.

Wir spüren ihn im Licht.

In der Wärme.

In der Länge der Tage.

Im Wachstum der Pflanzen.

Und darin, wie sich die Natur im Laufe des Jahres immer wieder verändert.

Der Mond folgt dabei seinem eigenen Rhythmus.

Auch ihn nehme ich in meiner spirituellen Arbeit bewusst wahr – mit seinen Phasen, seiner zunehmenden und abnehmenden Kraft und den unterschiedlichen Stimmungen, die ich mit ihm verbinde.

Für mich gehören diese Zyklen zusammen, ohne dass sie dasselbe sind. Der Jahreskreis erzählt den Weg durch das Jahr.
Der Mond erzählt einen kleineren Kreis, der sich immer wieder innerhalb dieses Jahres bewegt.
 

Manchmal treffen beide Bewegungen aufeinander.

Ein Jahreskreisfest kann beispielsweise in eine bestimmte Mondphase fallen und dadurch für mich noch einmal eine andere Stimmung bekommen.

Aber ich brauche nicht für alles eine feste Regel.

Ich beobachte.

Ich nehme wahr.

Und ich schaue darauf, was gerade zusammenkommt.

Genau das ist für mich ein wichtiger Teil meines Weges.

Die Natur arbeitet nicht mit geraden Linien.

Sie arbeitet in Kreisen.

Im Werden und Vergehen.

Im Zunehmen und Abnehmen.

Im Licht und in der Dunkelheit.

Und je bewusster ich diese Rhythmen wahrnehme, desto deutlicher spüre ich, dass auch mein eigener Weg Teil davon ist.

Die acht Feste im Jahreskreis

Die acht Jahreskreisfeste geben diesem Wandel feste Punkte im Jahr.

Sie begleiten den Weg der Sonne, die Veränderungen der Natur und den Wechsel zwischen heller und dunkler Jahreshälfte.

Yule, Imbolc, Ostara, Beltane, Litha, Lughnasadh, Mabon und Samhain tragen dabei jeweils ihre eigene Bedeutung und ihre eigene Stimmung.

Keines dieser Feste steht für sich allein.

Was bei einem Fest beginnt, entwickelt sich weiter.
Was wächst, kommt irgendwann zur Reife.

 

Was geerntet wurde, darf wieder ruhen.
Und aus der Ruhe entsteht irgendwann ein neuer Anfang.

Für mich werden die einzelnen Feste deshalb erst dann wirklich verständlich, wenn ich sie als Teile eines gemeinsamen Kreises betrachte.

Auf der nächsten Seite nehme ich dich mit zu jedem dieser acht Punkte des Jahres. Dort findest du ihre Bedeutung, ihre Hintergründe und auch, wie ich selbst sie wahrnehme und feiere.

Denn jedes Fest erzählt einen Teil der Geschichte –

gemeinsam erzählen sie die Geschichte des ganzen Jahreskreises.