Die Geschichte der Wicca Hexe


Die Geschichte der Hexe ist keine gerade Linie. Sie führt durch altes Naturwissen, Glauben und Überlieferungen, aber auch durch Angst, Verfolgung, Verlust und Veränderung.

Vieles ist heute durch Prozessakten, alte Schriften und historische Quellen belegt. Anderes wurde über Generationen weitererzählt und lebt bis heute in regionalen Überlieferungen fort.

Auf dieser Seite möchte ich dir beides zeigen: die Geschichte, die wir belegen können, und die Geschichten der Menschen, die hinter diesen Fakten stehen.

Denn für mich beginnt die Geschichte der Wicca-Hexe nicht mit einem einzelnen Namen oder einem bestimmten Jahrhundert. Ihre Wurzeln reichen sehr viel weiter zurück.

Bevor das Wort Hexe Angst machte

Lange bevor in Europa Menschen als Hexen verfolgt wurden, lebten Menschen sehr viel unmittelbarer mit den Rhythmen der Natur.

Sie beobachteten Sonne, Mond und Sterne, kannten die Zeiten des Säens und Erntens, sammelten Pflanzen und Kräuter und gaben ihr Wissen innerhalb von Familien und Gemeinschaften weiter. Geburt, Krankheit, Tod, Jahreszeiten und Wetter gehörten zu einem Leben, in dem Naturbeobachtung, Erfahrung, Glaube und Überlieferung oft eng miteinander verbunden waren.

Nicht jeder Mensch, der solches Wissen besaß, war eine Hexe – und wir sollten ihn heute auch nicht nachträglich dazu machen. Doch vieles von dem, was ich mit dem alten Hexenweg verbinde, begegnet uns schon sehr früh: Naturwissen, Intuition, Rituale, Schutzbräuche, die Beobachtung der Himmelszyklen und das Wissen darum, dass der Mensch ein Teil der Natur ist.

Auch in meinen Büchern zieht sich dieser Gedanke durch meinen Weg: Wir stehen für mich nicht außerhalb der Natur. Wir gehören zu ihren Kreisläufen. Wachstum, Wandel, Vergehen und Neubeginn haben alle ihren Platz.

Vieles wurde nicht in Büchern aufgeschrieben. Es wurde beobachtet, ausprobiert, erzählt und weitergegeben.

Und genau darin liegt ein Teil der Schwierigkeit, wenn wir heute weit zurückblicken: Nicht alles, was Menschen wussten und glaubten, hat eine schriftliche Spur hinterlassen.

Wie aus Wissen Verdacht wurde

Das Wissen über Kräuter, Geburt, Heilung oder Natur machte einen Menschen nicht automatisch zum Opfer einer Hexenverfolgung. So einfach war die Geschichte nicht.

Doch mit der Zeit veränderte sich das Bild von Magie und Hexerei. Religiöse Vorstellungen von Dämonen und Teufelspakten vermischten sich mit alten Ängsten, Gerüchten und Konflikten innerhalb der Gemeinden.

Und plötzlich konnte etwas, das gestern noch als besonderes Wissen galt, morgen Misstrauen wecken.

Eine Kuh wurde krank.
Eine Ernte verdarb.
Ein Kind starb.
Zwei Nachbarn stritten miteinander.

Menschen suchten nach einer Erklärung – und manchmal auch nach einem Menschen, dem sie die Schuld geben konnten.

Wer als ungewöhnlich galt, mit Heilmitteln arbeitete, besondere Fähigkeiten zugeschrieben bekam oder bereits durch ein Gerücht belastet war, konnte dadurch gefährlich nah an eine Beschuldigung geraten. Aber ebenso wurden Menschen angeklagt, die überhaupt kein besonderes Kräuter- oder Heilwissen besaßen.

Das ist wichtig: Die Hexenverfolgung war nicht einfach eine Verfolgung der weisen Kräuterfrau. Sie konnte nahezu jeden treffen, wenn Angst, Gerüchte, persönliche Feindschaften und die damaligen Vorstellungen von Hexerei zusammenkamen.

Und sobald ein Name einmal ausgesprochen war, konnte daraus etwas entstehen, das sich kaum noch aufhalten ließ.

Aus Misstrauen wurde Verdacht.
Aus Verdacht wurde Beschuldigung.
Und aus einer Beschuldigung konnte schließlich ein Todesurteil werden.

 
 

 

 


Als aus Angst Verfolgung wurde

Zwischen dem späten Mittelalter und besonders der Frühen Neuzeit verbanden sich Angst vor Schadenzauber, religiöse Vorstellungen vom Teufel, Gerüchte, persönliche Konflikte und das damalige Strafrecht miteinander. Missernten, Krankheiten, Hunger oder andere Unglücke konnten in einer Welt, die vieles noch nicht erklären konnte, als Zeichen verborgener böser Kräfte verstanden werden.

Entscheidend war dabei: Ein Verdacht musste nicht dort enden, wo er begonnen hatte. Wurde ein Mensch beschuldigt und unter Druck oder Folter nach weiteren Beteiligten gefragt, konnten neue Namen fallen. So entstanden ganze Ketten von Beschuldigungen und Prozessen. Das Deutsche Historische Museum beschreibt genau dieses Zusammenspiel von Gerüchten, Denunziationen, Besagungen, Verhören und erzwungenen Geständnissen als einen wesentlichen Motor der Verfolgungen.

Damit wurde aus Angst etwas Gefährlicheres: eine gerichtliche Maschinerie, die ihre eigenen Beweise immer wieder selbst erzeugte.

Der Hexenhammer – was steckte dahinter?

Der sogenannte Hexenhammer, lateinisch Malleus Maleficarum, erschien 1487 und ist vor allem mit dem Dominikaner Heinrich Kramer verbunden.

Das Werk versuchte zu erklären, woran angebliche Hexerei zu erkennen sei, welche Taten Hexen zugeschrieben wurden und wie gegen Verdächtige vorgegangen werden sollte. Besonders Frauen wurden darin als anfällig für Hexerei dargestellt. Das Frauenbild des Werkes war ausgesprochen abwertend und frauenfeindlich.

Der Hexenhammer war nicht einfach ein überall verbindliches Gesetzbuch. Aber er hatte enorme Wirkung. Er erschien in zahlreichen Auflagen und lieferte Befürwortern der Hexenverfolgung Argumente und ein gedankliches Gerüst, mit dem Verdacht, Teufelspakt, Schadenzauber und gerichtliche Verfolgung miteinander verbunden wurden.

So half ein Buch dabei, Ängsten eine scheinbar gelehrte Begründung zu geben.

Was war eine „Besagung“?

Eine Besagung bedeutete, dass ein bereits beschuldigter oder verhörter Mensch den Namen einer weiteren Person nannte und diese ebenfalls der Hexerei verdächtigte.

Das war für die Verfolgungen besonders gefährlich. Denn eine solche Nennung konnte ausreichen, um einen neuen Verdacht zu begründen. In manchen Verfahren genügten bereits Gerüchte, Denunziationen oder Besagungen, damit ein Mensch ins Blickfeld der Gerichte geriet.

Unter Folter wurde immer wieder nach angeblichen Mitbeteiligten gefragt. Wer die Qual beenden wollte, konnte schließlich Namen nennen – Nachbarn, Bekannte, Verwandte oder Menschen, die bereits einen schlechten Ruf hatten.

Damit entstand ein Kreislauf:

Ein Mensch wurde beschuldigt.
Er wurde nach weiteren Namen gefragt.
Neue Menschen wurden verhaftet.
Und diese sollten wiederum weitere Namen nennen.

So konnte aus einem einzelnen Verfahren eine ganze Verfolgungswelle entstehen.

Wie funktionierte das damalige Prozessrecht?

Hexenprozesse fanden nicht außerhalb des damaligen Rechts statt. Sie wurden von Gerichten geführt – allerdings unter Voraussetzungen, die wir heute als hochproblematisch ansehen.

Eine wichtige Grundlage im Heiligen Römischen Reich war die Constitutio Criminalis Carolina von 1532. Ein Geständnis spielte in schweren Strafverfahren eine zentrale Rolle. Bei Hexereiverfahren entstand daraus ein verhängnisvolles Problem: Hexerei war kaum durch sichtbare Beweise nachzuweisen, gleichzeitig wollte das Gericht ein Geständnis erhalten.

Zunächst konnte ein sogenanntes gütliches Verhör stattfinden. Zeugen wurden gehört, Verdächtige mit Vorwürfen konfrontiert und teilweise konnten sie einen Verteidiger benennen. Doch führte dies nicht zum gewünschten Geständnis, konnte die sogenannte peinliche Befragung, also Folter, folgen.

Unter dieser Folter sollten die Angeklagten nicht nur ihre eigene angebliche Schuld gestehen. Sie wurden häufig auch aufgefordert, weitere Menschen zu nennen.

Damit entstand eines der größten Probleme dieser Verfahren:

Das System verlangte ein Geständnis – und die Folter lieferte schließlich das Geständnis, das das System erwartete.

Genau dadurch schienen die folgenden Prozesse wiederum zu bestätigen, dass die ursprüngliche Vorstellung von einer verborgenen Hexengemeinschaft richtig gewesen sei. Es entstand ein Zirkelschluss, der die Verfolgung immer weiter nähren konnte.

Trier und die Eifel – als die Verfolgung ganz nah war

Für mich ist dieser Teil der Geschichte besonders wichtig, denn die Hexenverfolgung fand nicht nur irgendwo in fernen Ländern statt. Trier und die Eifel gehörten zu den Regionen, in denen sie besonders heftig wütete.

Ende des 16. Jahrhunderts trafen hier mehrere Dinge aufeinander: Missernten, Hunger und wirtschaftliche Not, religiöser Fanatismus, Angst vor dem Teufel, persönliche Feindschaften und auch Habgier. Ab etwa 1585/86 entwickelte sich daraus eine gewaltige Prozesswelle. Menschen wurden beschuldigt, verhört und gefoltert. Unter der Folter sollten sie nicht nur gestehen, sondern auch weitere Namen nennen. So zog eine Beschuldigung die nächste nach sich.

Besonders erschreckend ist das Ausmaß im Umland. Für den kurtrierischen Amtsort Pfalzel werden allein für das Jahr 1587 118 Verbrennungen berichtet. Im Gebiet der Reichsabtei St. Maximin, zu dem auch Orte im Trierer Umland gehörten, geht die Forschung von bis zu 400 Hinrichtungen aus. Als die große Verfolgungswelle um 1595 abebbte, waren nach historischen Berichten ganze Dörfer entvölkert.

Doch hinter diesen Zahlen standen Menschen.

Mütter und Väter. Bauern und Winzer. Handwerker, Hebammen, Geistliche, wohlhabende Bürger und einfache Menschen aus den Dörfern.

 

Manche besaßen besonderes Wissen. Andere hatten mit Kräutern, Heilung oder Magie überhaupt nichts zu tun. Es konnte reichen, dass ein Nachbar einen Namen nannte, dass ein Streit vorausgegangen war oder dass ein Mensch bereits einen schlechten Ruf hatte.

Und mit jedem Menschen, der verhaftet wurde, veränderte sich auch das Leben derer, die zurückblieben.

Kinder verloren ihre Eltern. Familien verloren ihren Besitz. Höfe verloren Arbeitskräfte. Nachbarn begannen einander zu misstrauen. Ganze Gemeinden wurden durch Angst und Beschuldigungen auseinandergerissen.

Das ist der Teil der Geschichte, den Zahlen allein nicht erzählen können.

Deshalb möchte ich im nächsten Abschnitt einige dieser Menschen wieder aus den alten Akten hervortreten lassen – mit ihren Namen, ihren Geschichten und dem, was ihnen widerfahren ist.

Menschen hinter den Prozessakten

Wenn wir heute von Hexenverfolgung sprechen, begegnen uns schnell große Zahlen. Doch hinter jeder dieser Zahlen stand ein Mensch mit einem Namen, einem Zuhause, einer Familie und einem Leben, das bis zu seiner Beschuldigung weiterging wie jedes andere.

Alte Prozessakten und Register lassen einige dieser Menschen heute wieder sichtbar werden. Sie zeigen auch, wie unterschiedlich die Betroffenen waren: Frauen und Männer, arme und wohlhabende Menschen, Hebammen, Bauern, Geistliche – und sogar diejenigen, die zuvor selbst Teil der Gerichtsbarkeit gewesen waren.

Deshalb möchte ich hier nicht nur Opfer zählen. Ich möchte einige von ihnen wieder beim Namen nennen.

Dietrich Flade – vom Richter zum Angeklagten

Dietrich Flade gehörte zu den mächtigsten und wohlhabendsten Männern Triers. Er war Doktor der Rechte, kurfürstlicher Rat, Stadtschultheiß, Professor und 1585 sogar Rektor der Trierer Universität. Als hoher Richter war er selbst an Hexenprozessen beteiligt.

Doch das System, dessen Teil er gewesen war, machte schließlich auch vor ihm nicht halt.

Ab 1587 wurde Flade wiederholt von anderen Beschuldigten „besagt“ – sein Name fiel also in Hexenverfahren. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, an einem Hexensabbat teilgenommen und an einem angeblichen Anschlag auf den Trierer Kurfürsten mitgewirkt zu haben. Ein Fluchtversuch wurde zusätzlich gegen ihn verwendet.

Am 18. September 1589 wurde Dietrich Flade bei der Trierer Gerichtsstätte auf der anderen Moselseite bei Euren hingerichtet und verbrannt.

Seine Geschichte zeigt für mich etwas besonders Erschreckendes:

Wer einmal eine Maschinerie aus Verdacht, Besagung und erzwungenen Geständnissen geschaffen hat, kann irgendwann selbst in ihr landen.

Mehr als vierhundert Jahre später beschäftigt sein Schicksal Trier noch immer. Erst 2024 wurde eine jahrhundertelang bestehende finanzielle Regelung aus seinem Nachlass neu geordnet; die Stadt verbindet die daraus entstandenen Zahlungen heute mit dem Gedenken an Opfer von Verfolgung und Gewalt.

Zei – Lucia aus Mertesdorf: eine Hebamme vor Gericht

Zei, die in den Quellen auch Lucia genannt wird, war Hebamme in Mertesdorf. Ihr Prozess aus dem Jahr 1588 ist deshalb besonders wertvoll, weil Teile der Prozessunterlagen erhalten geblieben sind.

Sie wurde mit schweren Anschuldigungen konfrontiert. Zunächst gestand sie andere Dinge aus ihrem persönlichen Leben – aber nicht die Hexereivorwürfe, die man von ihr hören wollte.

Dann wurde sie wiederholt gefoltert.

Die Folter wurde zunehmend verschärft. Zusätzlich unterzog man sie einer Wasserprobe. Mit zusammengebundenen Händen und Füßen wurde sie ins Wasser geworfen; der Nachrichter stieß sie mehrfach unter die Wasseroberfläche. Dass ihr Körper wieder auftrieb, wurde gegen sie ausgelegt.

Am Ende war sie nach der Beschreibung der erhaltenen Akten körperlich und seelisch gebrochen und blieb bei den Geständnissen, die im Verfahren von ihr verlangt beziehungsweise ihr zugeschrieben wurden.

Und genau deshalb ist ihre Geschichte wichtig.

Wenn wir heute in einer Prozessakte lesen: „Sie gestand“, dürfen wir nicht vergessen zu fragen:

Unter welchen Umständen hat dieser Mensch gestanden?

Zei war außerdem nicht die einzige Hebamme aus der Region, die hingerichtet wurde. Für das Gebiet um Trier sind unter anderem auch Appolonia aus Detzem im Jahr 1588 und Barbel aus Kommlingen 1629 dokumentiert. Gleichzeitig zeigen die Quellen, dass viele andere Hebammen unbehelligt blieben oder sogar als Sachverständige in Verfahren eingesetzt wurden.

Anna Meisenbein – 91 Namen und ein Sohn, der mit hineingezogen wurden

Der Fall Anna Meisenbein aus Ruwer zeigt besonders deutlich, wie aus einem einzelnen Verfahren immer neue Beschuldigungen entstehen konnten.

In ihrem Verfahren nannte Anna Meisenbein insgesamt 91 Frauen und Männer als angebliche Mitbeteiligte. Ihr Fall wurde später sogar in der damaligen Literatur über Hexerei aufgegriffen.

Unter den genannten Personen befanden sich Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten.

Und selbst ihre Familie blieb von dem Verfahren nicht unberührt.

Ihr Sohn Hans Cuno wurde ebenfalls befragt. Von ihm ist eine Aussage überliefert, in der auch der Abt von St. Martin mit den angeblichen Zusammenkünften seiner Mutter in Verbindung gebracht wurde.

Damit wird sichtbar, was ein Hexenprozess für eine Familie bedeuten konnte:

Nicht nur der angeklagte Mensch geriet in das Verfahren. Kinder, Ehepartner, Nachbarn und Bekannte konnten plötzlich ebenfalls Teil der Befragungen und Beschuldigungen werden.

Und wenn unter diesen Bedingungen immer neue Namen genannt wurden, wuchs die Verfolgung weiter.

Die Namen im Hexenregister

Manche Menschen haben uns keine Briefe hinterlassen. Kein Porträt. Keine ausführliche Lebensgeschichte.

Von ihnen blieb manchmal nur ein Name in einem Register.

Der St. Maximiner Amtmann Claudius Musiel führte ein Hexenregister, in dem sich Namen von Beschuldigten, Hingerichteten und von anderen Personen „Besagten“ finden. Eine erhaltene Transkription wurde von der Historikerin Rita Voltmer von der Universität Trier bearbeitet.

Darin begegnen uns beispielsweise Namen wie Werners Appolonia aus Detzem, Leonhardtz Eva aus Mertesdorf, Feilen Suin aus Mertesdorf und Gerhardtz Anna. Neben manchen Namen steht lediglich der Hinweis, dass dieser Mensch bereits hingerichtet worden war.

Heute wirken solche Einträge beinahe nüchtern.

Doch hinter jeder Zeile stand einmal jemand, der morgens aufstand, arbeitete, Menschen kannte, vielleicht Kinder hatte, geliebt oder gestritten hatte – und irgendwann zu einem Namen in einer Prozessakte wurde.

Ein Register bewahrt Namen.
Unsere Aufgabe ist es, nicht zu vergessen, dass diese Namen Menschen waren.

 

Wie aus einer Beschuldigung ein Todesurteil werden konnte

Ein Hexenprozess begann nicht zwangsläufig mit einem Beweis. Oft standen am Anfang Gerüchte, ein schlechter Ruf, ein Streit, eine Denunziation oder die sogenannte Besagung durch einen bereits Beschuldigten.

War ein Mensch erst einmal in Verdacht geraten, setzte sich ein Verfahren in Bewegung, aus dem es immer schwerer wurde herauszukommen. Nach der Constitutio Criminalis Carolina von 1532 sollten zwar Verdachtsmomente geprüft werden. In der Praxis der Hexenprozesse wurden diese Schutzregeln jedoch häufig aufgeweicht oder umgangen. Gerade weil Hexerei als heimliches Verbrechen galt, konnten Gerüchte und andere Indizien eine verhängnisvolle Bedeutung bekommen.

Das Ziel vieler Verfahren wurde schließlich das Geständnis. Kam es nicht freiwillig, konnte die sogenannte „peinliche Frage“ – die Folter – eingesetzt werden. Und aus einem erzwungenen Geständnis entstanden häufig wieder neue Beschuldigungen.

So konnte aus einem Gerücht eine Kette entstehen, an deren Ende ein Mensch sein Leben verlor.

Gerücht und Besagung

Am Anfang musste niemand auf frischer Tat ertappt werden.

Ein Mensch konnte bereits auffallen, weil über ihn gesprochen wurde, weil ihm jemand Schadenzauber vorwarf, weil er mit einer bereits beschuldigten Person verwandt oder bekannt war oder weil sein Name während eines anderen Hexenprozesses genannt worden war.

Besonders gefährlich war die Besagung: Ein Beschuldigter nannte während seines eigenen Verhörs weitere Menschen, die angeblich ebenfalls beteiligt gewesen seien.

Damit war ein neuer Name in den Akten.

Und manchmal genügte genau das, um den nächsten Menschen in Gefahr zu bringen.

Ein Name führte zum nächsten.
Ein Prozess konnte den nächsten hervorbringen.

Die Verhaftung

Wurden die Verdachtsmomente vom Gericht als ausreichend angesehen, konnte die beschuldigte Person festgenommen werden.

Von diesem Augenblick an bestimmte nicht mehr der Beschuldigte selbst über seinen Alltag. Er befand sich in der Gewalt des Gerichts und wurde verhört. Die Ermittlungen fanden nicht öffentlich statt.

Auch das ist wichtig, wenn wir uns diese Zeit vorstellen:

Am Morgen konnte ein Mensch noch auf seinem Hof, in seiner Werkstatt oder bei seiner Familie sein.

Wenig später konnte er in Haft sitzen und mit Vorwürfen konfrontiert werden, von denen er möglicherweise nicht einmal wusste, wie sie entstanden waren.

Für die Familie begann damit bereits eine Zeit der Angst und Ungewissheit.

Das Verhör

Zunächst konnte die sogenannte gütliche Befragung stattfinden – also ein Verhör ohne körperliche Folter.

Der Beschuldigte wurde nach seiner Person, den Vorwürfen und angeblichen Taten gefragt und mit Aussagen von Zeugen oder anderen Beschuldigten konfrontiert.

Doch bei Hexereiverfahren bestand ein grundsätzliches Problem:

Das Gericht wollte ein Geständnis für etwas erhalten, das sich kaum durch gewöhnliche Beweise nachweisen ließ.

Blieb der Beschuldigte dabei, unschuldig zu sein, konnte daraus gerade nicht das Ende des Verfahrens folgen.

Es konnte der Beginn der nächsten Stufe sein

Die „peinliche Frage“

Mit „peinlicher Frage“ bezeichnete man damals die gerichtliche Folter.

Sie durfte nach dem damaligen Recht unter bestimmten Voraussetzungen zur Erlangung eines Geständnisses eingesetzt werden. Die Carolina legte allerdings weder Art noch Dauer der Folter genau fest – vieles blieb dem Richter überlassen.

In den tatsächlichen Hexenverfolgungen wurden diese Grenzen teilweise massiv überschritten. Besonders dort, wo Hexerei als außergewöhnliches Verbrechen behandelt wurde, kam es zu wiederholter und verschärfter Folter.

Der Beschuldigte sollte schließlich das sagen, was das Gericht für die Wahrheit hielt.

Das Geständnis und die weiteren Namen

Nach der Carolina sollte ein unter Folter abgelegtes Geständnis nach einer Ruhepause ohne Folter wiederholt werden.

Widerrief der Mensch sein Geständnis, konnte er allerdings erneut gefoltert werden. Wie oft dies wiederholt werden durfte, war nicht eindeutig begrenzt.

Damit entstand eine grausame Situation:

Gestehen konnte zum Tod führen.
Nicht gestehen konnte weitere Folter bedeuten.
Ein Widerruf konnte wieder zur Folter führen.

Und häufig blieb es nicht bei der eigenen angeblichen Schuld. Die Gefangenen wurden nach weiteren Beteiligten gefragt.

So entstanden neue Namen – und aus diesen Namen wieder neue Verfahren.

Urteil und Hinrichtung

Lag das verlangte Geständnis schließlich vor, entschieden Richter und Schöffen über das Urteil.

Am sogenannten Endlichen Rechtstag wurden Anklage, Geständnis und das bereits gefasste Urteil öffentlich verlesen. Danach folgte die Vollstreckung der Strafe.

Die öffentliche Hinrichtung hatte dabei noch eine weitere Funktion: Sie sollte abschrecken und der Bevölkerung zeigen, dass die Obrigkeit angeblich gegen das Böse vorging.

Doch genau hier schloss sich der Kreis:

Ein unter Zwang entstandenes Geständnis wurde öffentlich vorgelesen – und für die Zuschauer konnte es dadurch wie ein Beweis wirken, dass die behauptete Hexerei tatsächlich existierte.

Die Verfolgung erzeugte damit die „Beweise“, mit denen sie sich anschließend selbst rechtfertigte.

Folter – wenn ein Geständnis erzwungen wurde

Wenn wir in alten Hexenprozessakten lesen, ein Mensch habe seine Schuld „gestanden“, dürfen wir dieses eine Wort niemals ohne seinen Zusammenhang betrachten.

Viele dieser Geständnisse entstanden nicht freiwillig.

Menschen wurden bedroht, eingesperrt, mit den Folterinstrumenten konfrontiert oder tatsächlich gefoltert. Die Tortur sollte sie dazu bringen, die Vorstellungen des Gerichts zu bestätigen: Schadenzauber, Teufelspakt oder die Beteiligung weiterer Menschen.

Das erklärt auch, warum sich die Aussagen verschiedener Beschuldigter später ähneln konnten.

Sie wurden nicht in einem freien Gespräch gefragt: „Was ist geschehen?“

Sie wurden innerhalb eines Systems verhört, das bereits eine Vorstellung davon hatte, was geschehen sein sollte.

Welche Formen der Folter wurden eingesetzt?

Die Folter war kein spontaner Gewaltausbruch. Sie war Teil damaliger gerichtlicher Verfahren und wurde von dafür zuständigen Personen ausgeführt.

Überliefert sind unter anderem das Fesseln und Strecken des Körpers, das Aufziehen an Seilen sowie unterschiedliche Formen verschärfter körperlicher Tortur. Auch das bloße Vorzeigen der Instrumente konnte als Drohung eingesetzt werden.

Daneben gab es Praktiken wie die Wasserprobe, die rechtlich nicht dasselbe wie die gerichtliche Folter war, aber im Zusammenhang mit Hexereiverfahren vorkam. In Kurtrier versuchte die Obrigkeit zeitweise sogar ausdrücklich, solche Praktiken zu verbieten.

Ich möchte diese Methoden auf dieser Seite nicht ausschmücken.

Entscheidend ist etwas anderes:

Sie wurden an wirklichen Menschen angewendet, um Aussagen zu erhalten.

Ein dokumentierter Fall: Zei/Lucia aus Mertesdorf

Wie das aussehen konnte, zeigt der bereits erwähnte Prozess gegen die Hebamme Zei, auch Lucia genannt, aus Mertesdorf im Jahr 1588.

Sie bestritt zunächst die entscheidenden Hexereivorwürfe.

Daraufhin wurde sie mehrfach und zunehmend schwer gefoltert. Zusätzlich wurde an ihr eine Wasserprobe durchgeführt: Mit gefesselten Händen und Füßen wurde sie ins Wasser gebracht und mehrfach untergetaucht.

Die erhaltenen Prozessunterlagen zeigen, wie der Druck auf sie immer weiter gesteigert wurde. Am Ende war sie körperlich und seelisch gebrochen und blieb bei den Aussagen, die im Verfahren von ihr verlangt beziehungsweise ihr zugeschrieben wurden.

Darum ist ihr Fall so wichtig.

Auf dem Papier bleibt am Ende vielleicht nur ein Satz:

„Sie gestand.“

Doch wenn wir wissen, was davor geschah, bekommt dieses Wort eine völlig andere Bedeutung.

Warum Geständnisse unter Folter keine verlässliche Wahrheit waren

Die Folter hatte einen grundlegenden Fehler:

Der Mensch wusste, dass die Qual aufhören konnte, wenn er die erwarteten Antworten gab.

Gleichzeitig hatten die Richter häufig bereits eine Vorstellung davon, was sie hören wollten. In Hexereiverfahren konnten suggestive Fragen, wiederholte Verhöre und die Forderung nach weiteren Namen diese Richtung zusätzlich vorgeben. Historiker beschreiben deshalb gerade die unter Folter erzeugten Geständnisse als einen entscheidenden Mechanismus, durch den sich die Verfolgungen selbst bestätigten und ausweiteten.

Ein Mensch konnte also irgendwann lernen:

Wenn ich Nein sage, geht es weiter.
Wenn ich Ja sage, hört es vielleicht auf.

Und wenn danach gefragt wurde, wer noch dabei gewesen sei, konnte auch ein weiterer Name fallen.

So entstand aus erzwungenen Aussagen scheinbar ein immer größeres Netz angeblicher Hexen.

Nicht weil dieses Netz bewiesen war – sondern weil die Verfolgung es durch ihre eigene Vorgehensweise immer weiter erzeugte.

Die Familien blieben zurück

Wenn ein Mensch wegen Hexerei verhaftet und hingerichtet wurde, endete die Geschichte nicht am Scheiterhaufen.

Für die Familie begann oft erst danach ein anderes Leid.

Kinder verloren ihre Mutter oder ihren Vater. Ehepartner verloren den Menschen, mit dem sie ihr Leben geteilt hatten. Höfe verloren Arbeitskräfte, Familien ihren Besitz und manchmal auch ihre Stellung innerhalb der Dorfgemeinschaft.

Für Trier ist das sogar durch einen Zeitzeugen überliefert. Der Trierer Kanoniker Johann Linden berichtete später, dass die Kinder verurteilter Menschen fortgeschickt wurden und der Besitz der Verurteilten eingezogen wurde. Er schrieb außerdem, dass schließlich Pflüger und Winzer fehlten und die Bevölkerung immer mehr verarmte.

Das macht deutlich, wie weit die Folgen einer einzigen Verurteilung reichen konnten.

Ein Mensch fehlte nicht nur an seinem Platz am Tisch.

Er fehlte am nächsten Morgen auf dem Feld.
Im Weinberg.
In der Werkstatt.
Bei seinen Kindern.
Bei den Tieren.
In seinem Dorf.

Und über einer Familie blieb zusätzlich der Verdacht zurück.

Denn wenn Mutter oder Vater als Hexe oder Hexenmeister verurteilt worden waren, verschwand damit nicht automatisch die Angst der anderen Menschen. Angehörige konnten ebenfalls unter Misstrauen geraten. Und da in den Prozessen immer wieder nach weiteren Namen gefragt wurde, konnte sich die Verfolgung innerhalb von Nachbarschaften und Familien weiter ausbreiten.

 

Wenn ein Dorf immer leerer wird

Im Trierer Land blieb es nicht bei einzelnen Familien.

Die Verfolgungen erreichten ein solches Ausmaß, dass zeitgenössische und spätere historische Berichte von verarmten und teilweise entvölkerten Gemeinden sprechen. Für das Trierer Umland sind innerhalb weniger Jahre Hunderte Hinrichtungen dokumentiert.

Damit entstand irgendwann ein ganz praktisches Problem:

Wer sollte noch die Felder bestellen?
Wer kümmerte sich um die Weinberge?
Wer ernährte die Kinder?
Wer hielt die Höfe und Dörfer am Leben?

Die Verfolgung hatte längst aufgehört, nur diejenigen zu treffen, die vor Gericht standen.

Sie traf die Zurückgebliebenen und schließlich die gesamte Gemeinschaft.

Und vielleicht ist genau das einer der Punkte, die in einer einfachen Zahl wie „400 Hinrichtungen“ verloren gehen.

Vierhundert Hinrichtungen bedeuteten nicht nur vierhundert Tote.

Sie bedeuteten auch Kinder ohne Eltern, Ehepartner ohne Partner, leere Plätze in Häusern, fehlende Hände bei der Arbeit und Familien, deren Leben sich von einem Tag auf den anderen vollständig veränderte.

Hinter jedem Namen in einer Prozessakte stand deshalb mehr als ein Opfer.
Um diesen Menschen herum stand eine ganze Familie, die mit den Folgen weiterleben musste.

Was die Menschen sich bis heute erzählen

Nicht alles, was aus der Zeit der Hexenverfolgung geblieben ist, steht in einer Gerichtsakte.

Manche Geschichten wurden in Familien, Dörfern und ganzen Regionen weitererzählt. Andere blieben an bestimmten Orten haften: an alten Wegen, Felsen, Gerichtsstätten oder Plätzen, die noch Jahrhunderte später Namen wie Hexenplatz oder Hexentanzplatz tragen.

Solche Überlieferungen sind keine Prozessakten. Sie beweisen nicht automatisch, dass jedes Detail genauso geschehen ist.

Aber sie zeigen etwas anderes:

Wie tief sich die Erinnerung an Hexerei, Angst und Verfolgung in einer Landschaft und in den Menschen festsetzen kann.

Gerade in Trier und der Eifel finden sich bis heute solche Geschichten. Manche berühren nachweisbare historische Ereignisse. Andere gehören eindeutig in den Bereich der Sage.

Auf dieser Seite möchte ich beides nebeneinanderstehen lassen – aber immer klar benennen:

Was ist historisch belegt?
Was ist regional überliefert?
Und was wurde über Generationen weitererzählt?

Hexentanzplätze: wenn Geschichten an Orten haften

Der Begriff Hexentanzplatz begegnet uns im Trierer Raum nicht nur in späteren Sagen.

Die Stadt Trier besitzt einen Kupferstich aus dem Jahr 1594, der als „Trierer Hexentanzplatz“ bezeichnet wird. In den damaligen Verfahren wurden Beschuldigte dazu gebracht, von angeblichen nächtlichen Zusammenkünften zu erzählen. Als solcher Ort wurde beispielsweise auch das Franzensknüppchen am Petrisberg genannt.

Auch in der Eifel und den angrenzenden Gebieten haben sich Orte mit entsprechenden Namen und Sagen erhalten.

Oberhalb von Pützfeld liegt beispielsweise ein als Hexentanzplatz „Auf Wolfsgraben“ bezeichneter ehemaliger Gerichtsplatz. Bis heute wird dort ausdrücklich auf die Sagen hingewiesen, die sich um den Ort gebildet haben.

An anderen Orten erzählen Überlieferungen von Hexentänzen an Kreuzwegen, Waldplätzen oder Felsen.

Ob dort tatsächlich Menschen heimlich zusammenkamen, können solche Sagen allein nicht beweisen.

Aber der Name blieb. Und mit ihm die Geschichte.

Die Hexe von Neuerburg: eine Eifeler Sage

Eine der regional aufgezeichneten Geschichten ist die Sage von Magdalena Pirken aus Neuerburg.

In der Erzählung stirbt eine junge adelige Frau plötzlich. Ein Arzt vermutet Vergiftung – und Magdalena Pirken, die bereits den Ruf einer Hexe gehabt haben soll, wird festgenommen.

Zunächst bestreitet sie die Vorwürfe.

Erst unter Folter erzählt sie von einem schwarzen Mann, einem angeblichen Pakt und nächtlichen Zusammenkünften auf einem Hexentanzplatz. Am Ende der Überlieferung wird sie zum Tod durch das Feuer verurteilt. Die Sage verbindet die Hinrichtung außerdem mit einem Ort, dessen Flurname noch als „Am Hochgericht“ überliefert wird.

Wichtig ist dabei:

Das ist eine aufgezeichnete regionale Sage und keine vollständig belegte Prozessbiografie.

Aber gerade deshalb ist sie für diese Seite interessant.

Sie zeigt, welche Bilder über Generationen weitergetragen wurden: der Teufel, der nächtliche Flug, der Hexentanz, Gift – und am Ende das Feuer.

Hexenplätze, Felsen und alte Wege

Auch an anderen Orten der Eifel haben sich solche Geschichten festgesetzt.

Bei den Katzensteinen bei Mechernich erzählt die regionale Überlieferung beispielsweise, dass dort früher Hexen getanzt hätten. Heute wird diese Sage sogar in der offiziellen touristischen Beschreibung des Ortes erwähnt.

An einem sogenannten Hexenplatz bei Kall treffen alte Wege zusammen. Dort erzählt die lokale Überlieferung ebenfalls von Hexen aus den umliegenden Dörfern, die sich zum Tanz getroffen hätten.

Solche Orte beweisen keinen historischen Hexensabbat.

Aber sie zeigen, wie sich Erinnerung mit Landschaft verbindet.

Ein Felsen bleibt bestehen.
Ein alter Weg bleibt.
Ein Flurname bleibt.

Und irgendwann kennt vielleicht niemand mehr den ersten Menschen, der die Geschichte erzählt hat – aber die Geschichte selbst lebt weiter.

So wurde es mir erzählt“

Neben Akten, Büchern und aufgezeichneten Sagen gibt es noch eine andere Form von Geschichte:

die mündliche Überlieferung.

Geschichten werden am Küchentisch erzählt. Von Großeltern an Enkel. Von Nachbarn an Nachbarn. Innerhalb eines Dorfes oder einer Familie.

Manche von ihnen existierten lange, bevor jemand sie ins Internet stellte oder ein Video darüber drehte.

Auch diese Erzählungen gehören für mich zu dieser Geschichte.

Deshalb möchte ich sie auf meiner Seite nicht einfach als bewiesene historische Tatsachen darstellen. Ich werde sie so kennzeichnen, wie sie zu mir gekommen sind:

„Regional überliefert.“
oder
„So wurde es mir erzählt.“

Wenn sich später herausstellt, dass eine solche Geschichte zusätzlich durch einen alten Flurnamen, eine Prozessakte oder eine historische Quelle gestützt wird, kann ich das danebenstellen.

Wenn nicht, bleibt sie trotzdem das, was sie ist:

ein Teil der Erinnerung einer Region.

Denn Geschichte besteht nicht nur aus dem, was auf Papier überlebt hat.

Sie besteht auch aus dem, was Menschen nicht vergessen wollten.

Es gab auch Menschen, die widersprachen

Die Hexenverfolgungen wurden nicht erst Jahrhunderte später kritisiert. Schon während der Verfolgungszeit gab es Menschen, die erkannten, dass an diesen Verfahren etwas grundlegend nicht stimmen konnte.

Sie sahen, dass Folter keine verlässliche Wahrheit hervorbrachte, dass aus einer Beschuldigung immer neue Beschuldigungen entstanden und dass auch unschuldige Menschen in diesem System kaum eine Möglichkeit hatten, sich zu retten.

Doch wer widersprach, konnte selbst in Gefahr geraten. Kritik an den Hexenprozessen konnte als Angriff auf Kirche, Obrigkeit oder die damaligen Vorstellungen von Hexerei verstanden werden.

Manche schrieben deshalb anonym. Andere wurden verfolgt, eingesperrt oder zum Widerruf gezwungen.

Ihre Stimmen sind wichtig, denn sie zeigen: Auch damals gab es Menschen, die zweifelten, widersprachen und versuchten, dieses Töten zu stoppen.

Cornelius Loos: Widerspruch mitten in Trier

Cornelius Loos war katholischer Theologe und erlebte die großen Hexenverfolgungen im Trierer Raum unmittelbar.

1592 verfasste er seine Schrift „De vera et falsa magia“. Darin griff er den Hexenglauben, die laufenden Prozesse und insbesondere die Folter scharf an. Er kritisierte, dass Menschen durch die Qualen dazu gebracht wurden, Dinge zu gestehen, die sie nicht getan hatten.

Damit stellte er sich mitten im Zentrum einer der heftigsten Verfolgungswellen gegen das bestehende System.

Der Druck seiner Schrift wurde gestoppt. Loos wurde verhaftet und in St. Maximin bei Trier eingesperrt. Im März 1593 musste er seine Aussagen widerrufen. Später setzte er seine Kritik dennoch fort.

Sein Schicksal zeigt, wie gefährlich es sein konnte, während dieser Zeit zu sagen:

Vielleicht sind diese Menschen gar keine Hexen.
Vielleicht erzeugt die Folter erst die Geständnisse, nach denen gesucht wird.

Friedrich Spee: Wenn die Folter ihre eigenen Schuldigen erschafft

Der Jesuit Friedrich Spee gehört zu den bekanntesten Kritikern der Hexenprozesse. Er kannte Trier gut, hatte dort bereits als junger Jesuit gelebt und wurde später Professor an der Trierer Universität.

1631 erschien anonym seine „Cautio Criminalis“.

Spee griff darin vor allem die Prozessführung und die Folter an. Sein Gedanke war ebenso einfach wie erschreckend:

Wird ein Mensch nur lange und schwer genug gefoltert, kann schließlich auch ein Unschuldiger das gestehen, was seine Richter hören wollen.

Damit beschrieb Spee den Teufelskreis der Hexenprozesse:

Wer nicht gestand, wurde weiter unter Druck gesetzt.
Wer gestand, bestätigte den Verdacht.
Wer weitere Namen nannte, brachte die nächsten Menschen in Gefahr.

Spee forderte unter anderem das Recht auf Verteidigung, unabhängigere Richter, menschenwürdigere Haftbedingungen und vor allem ein Ende der Folter als vermeintliches Mittel zur Wahrheitsfindung.

Seine Schrift allein beendete die Hexenverfolgungen nicht. Aber sie verbreitete sich weit und wurde zu einer der wichtigsten zeitgenössischen Stimmen gegen die damalige Prozesspraxis.

Christian Thomasius: Als auch das „Verbrechen“ selbst infrage gestellt wurde

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ging der Jurist und Philosoph Christian Thomasius noch einen Schritt weiter.

1701 erschien in Halle unter seinem Vorsitz die Schrift „De Crimine Magiae“. Thomasius beschäftigte sich intensiv mit Hexenprozessen, Folter und der Frage, ob das angebliche Verbrechen der Hexerei überhaupt auf einer tragfähigen rechtlichen Grundlage verfolgt werden konnte. Die Originalschrift von 1701 ist heute noch in der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt erhalten.

Damit veränderte sich langsam auch die Frage.

Es ging nicht mehr nur darum:

„Wie führt man einen Hexenprozess richtig?“

Sondern zunehmend darum:

„Kann dieses angebliche Verbrechen überhaupt bewiesen werden – und darf man dafür Menschen foltern und töten?“

Thomasius beendete die Hexenverfolgungen ebenfalls nicht allein. Aber solche Stimmen gehörten zu einem veränderten juristischen und geistigen Klima, in dem die alten Verfahren immer schwerer zu rechtfertigen waren.

Loos, Spee und Thomasius zeigen: Der Widerspruch kam nicht erst von uns heute. Er war schon damals da. Er war gefährlich, er brauchte Mut – und es dauerte lange, bis er Wirkung zeigte.

Als die Scheiterhaufen erloschen

Die Hexenverfolgungen endeten nicht, weil die Menschen eines Tages plötzlich menschlicher geworden waren.

Die Gründe waren vielschichtiger – und manche davon erschreckend nüchtern.

Über Jahrzehnte hatten Verhaftungen, Folter und Hinrichtungen ganze Familien und Gemeinden getroffen. Gerade im Trierer Land und in Teilen der Eifel waren die Folgen irgendwann nicht mehr zu übersehen. Menschen fehlten. Auf den Höfen, auf den Feldern, in den Weinbergen und in den Dörfern.

Zeitgenössische Berichte erzählen davon, dass Besitz eingezogen, Familien auseinandergerissen und Kinder zurückgelassen oder fortgeschickt wurden. Schließlich fehlten sogar Pflüger und Winzer.

Damit traf die Verfolgung irgendwann auch diejenigen, die von der Arbeit dieser Menschen lebten.

Denn ein Land funktioniert nicht ohne Menschen, die säen und ernten, Tiere versorgen, Weinberge bearbeiten, Handwerk ausüben, Handel treiben und Abgaben erwirtschaften.

Man konnte nicht unbegrenzt Menschen vernichten, ohne damit irgendwann auch die eigene Lebensgrundlage zu zerstören.

Gleichzeitig wuchsen die Zweifel an den Verfahren. Immer deutlicher wurde, dass Folter keine verlässliche Wahrheit hervorbrachte. Menschen gestanden unter Qualen Dinge, die von ihnen erwartet wurden, und nannten weitere Namen. Aus diesen Namen entstanden neue Prozesse – und aus diesen Prozessen wieder neue Beschuldigungen.

Auch Gerichte und Obrigkeiten begannen Verfahren stärker zu kontrollieren. Prozesskosten wurden begrenzt, höhere rechtliche Hürden entstanden, Kriege und politische Veränderungen griffen in bestehende Strukturen ein. Kritiker wie Cornelius Loos, Friedrich Spee und später Christian Thomasius stellten Folter, Geständnisse und schließlich auch die Grundlagen der Hexenprozesse immer deutlicher infrage.

So erloschen die Scheiterhaufen nicht an einem einzigen Tag und nicht überall aus demselben Grund.

Erschöpfung, wirtschaftliche Folgen, fehlende Arbeitskräfte, Zweifel an der Rechtsprechung, politische Veränderungen und zunehmender Widerstand griffen ineinander.

Doch mit dem Ende der großen Prozesse verschwand die Hexe nicht aus den Köpfen der Menschen.

Die Angst blieb.
Die Geschichten blieben.
Die Überlieferungen blieben.

Und vieles von dem, was Menschen über Natur, Kräuter, Rituale und Magie wussten, wurde weiterhin im Stillen bewahrt und weitergegeben.

Die Scheiterhaufen erloschen.
Aber die Geschichte der Hexe war damit noch lange nicht zu Ende.

Als der alte Hexenweg wieder sichtbar wurde

Als die großen Hexenverfolgungen langsam endeten, verschwand der Weg der Hexe für mich nicht. Er wurde leiser und vielerorts unsichtbarer.

Das Wort Hexe war durch Verfolgung, Angst und Beschuldigungen so schwer belastet worden, dass es gefährlich sein konnte, sich offen damit zu verbinden. Später kamen Märchenbilder, Spott und die Vorstellung von der bösen Hexe hinzu.

Doch für mich bedeutet das nicht, dass damit auch der alte Weg verschwand.

Wissen über Natur und Kräuter, Mond und Sterne, Schutzbräuche, Rituale, Magie, Intuition und die alten Kreisläufe wurde weitergetragen, verändert und an neue Zeiten angepasst. Vieles wurde nicht mehr offen als Hexenwissen bezeichnet und manches wurde im Stillen bewahrt.

Im 19. und besonders im 20. Jahrhundert wurden alte Religionen, Naturspiritualität, Volksmagie und vorchristliche Überlieferungen wieder stärker öffentlich aufgegriffen. Und auch der Name Wicca wurde immer sichtbarer.

Für mich entstand damit aber nicht plötzlich ein neuer Hexenweg.

Ich sehe Wicca und Hexe nicht als zwei völlig voneinander getrennte Wege. Wicca ist für mich ein späterer, neutralerer Name für den alten Weg der Hexe.

Natürlich hat sich dieser Weg verändert. Wissen kam hinzu, Rituale entwickelten sich weiter und Menschen fanden neue Formen, ihren Glauben zu leben. Für mich widerspricht das seinen alten Wurzeln nicht.

Auch ein alter Weg bleibt nicht stehen. Er entwickelt sich mit den Menschen weiter, die ihn gehen.

Der Name Wicca ist älter als Gerald Gardner

Der Begriff Wicca tauchte nicht erst im 20. Jahrhundert auf.

Im Altenglischen gab es die Wörter wicca für einen männlichen und wicce für einen weiblichen Menschen, dem Zauberei beziehungsweise magische Fähigkeiten zugeschrieben wurden. Aus diesem Wortfeld entwickelte sich später auch das englische Wort witch.

Das bedeutet nicht, dass das heutige Wicca bereits damals als organisierte Religion existierte. Aber es zeigt etwas Wichtiges:

Der Name selbst besitzt alte sprachliche Wurzeln und steht schon sehr lange in Verbindung mit Hexerei und Magie.

Für mich ist deshalb die Verbindung zwischen Wicca und Hexe keineswegs etwas, das erst Gerald Gardner geschaffen hat.

Margaret Murray und die Vorstellung eines alten Hexenweges

1921 veröffentlichte die Ägyptologin Margaret Murray ihr Buch The Witch-Cult in Western Europe.

Sie vertrat die Auffassung, dass sich hinter den europäischen Hexenprozessen teilweise eine alte vorchristliche Religion verborgen habe, die über lange Zeit im Geheimen weiterbestanden habe.

Diese Vorstellung hatte später großen Einfluss auf Menschen, die sich mit Hexentum und Wicca beschäftigten.

Die heutige Geschichtsforschung sieht Murrays Vorstellung eines durchgehend organisierten geheimen Hexenkultes allerdings kritisch und betrachtet ihn nicht als historisch nachgewiesen.

Für mich ist dabei eine Unterscheidung wichtig:

Dass eine lückenlose Organisation nicht nachgewiesen werden kann, bedeutet für mich nicht, dass der alte Hexenweg, Naturwissen, Rituale, Magie und spirituelle Überlieferungen deshalb nicht weiterbestanden haben können.

Gerade vieles, was mündlich, innerhalb von Familien oder im Verborgenen weitergegeben wurde, hinterlässt keine vollständige historische Aktenlage.

Gerald Gardner und das moderne Wicca

Gerald Gardner spielte im 20. Jahrhundert eine entscheidende Rolle dabei, Wicca öffentlich sichtbar zu machen.

Er erklärte, mit einer bestehenden Hexengruppe in Kontakt gekommen und in deren Tradition aufgenommen worden zu sein. 1954 veröffentlichte er sein Buch Witchcraft Today und trug wesentlich dazu bei, dass Wicca als religiöser Weg öffentlich bekannt wurde.

Kurz zuvor war in Großbritannien 1951 der alte Witchcraft Act von 1735 aufgehoben worden. Dadurch hatte sich auch die rechtliche Situation verändert.

Für die heutige Religionswissenschaft ist Gardner deshalb eine der wichtigsten Personen bei der Entwicklung und Verbreitung des modernen, organisierten Wicca.

Für mich bedeutet das jedoch nicht:

„Gerald Gardner hat den Weg der Hexe erfunden.“

Ich sehe es anders.

Gardner hat einen Weg öffentlich gemacht, geordnet und mitgeprägt, der für mich auf wesentlich ältere Vorstellungen, Praktiken und Überlieferungen zurückgreift.

Und natürlich hat sich auch dieser Weg weiterentwickelt.

Hexen haben immer gelernt. Auch ein alter Weg verändert sich mit den Menschen, die ihn gehen.

Was die Forschung sagt – und wie ich es sehe

Die heutige Religionswissenschaft kann anhand von Büchern, Personen und Dokumenten recht gut nachvollziehen, dass modernes Wicca als organisierte religiöse Bewegung besonders ab dem 20. Jahrhundert deutlich greifbar wird.

Eine lückenlos dokumentierte Organisation, die sich von den Menschen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen bis zum modernen Wicca verfolgen lässt, ist bislang nicht nachgewiesen.

Das ist der heutige Forschungsstand.

Meine Sicht beginnt an einer anderen Stelle.

Für mich ist der Weg der Hexe wesentlich älter als die moderne Organisation, die heute Wicca genannt wird.

Menschen beobachteten schon lange zuvor Natur, Mond und Sterne. Sie arbeiteten mit Kräutern, Ritualen, Schutzbräuchen, Zeichen, Intuition und spirituellen Vorstellungen. Wissen wurde weitergegeben, verändert, teilweise verborgen und an die jeweilige Zeit angepasst.

Durch die Hexenverfolgungen wurde insbesondere das Wort Hexe mit Angst, Tod und später auch mit Spott und dem Bild der bösen Märchenhexe belastet.

Wicca verstehe ich deshalb als einen späteren und neutraleren Namen für den Hexenweg – nicht als den Augenblick, in dem dieser Weg plötzlich entstand.

Forschung und persönliche Überzeugung müssen dabei für mich nicht gegeneinander kämpfen.

Ich kann zeigen, was historisch belegt ist, und gleichzeitig offen sagen, wie ich selbst diese Geschichte und ihren Zusammenhang verstehe.

Warum ich Wicca und Hexe        miteinander verbinde

Für mich sind Wicca und Hexe keine zwei völlig getrennten Glaubenswege. Ich sehe darin zwei Bezeichnungen für denselben alten Weg – einen Weg, der sich mit den Menschen verändert und weiterentwickelt hat.

Das Wort Hexe wurde über Jahrhunderte mit Angst, Verfolgung und Tod verbunden. Später kamen Märchenbilder, Spott und die Vorstellung von der bösen, gefährlichen Hexe hinzu. Wer sich selbst so bezeichnete, musste damit rechnen, belächelt, ausgegrenzt oder als etwas Bedrohliches angesehen zu werden.

Genau deshalb verstehe ich den Namen Wicca als eine spätere, neutralere Bezeichnung für diesen Hexenweg. Ein Name, mit dem sich ein spiritueller und magischer Weg wieder offener benennen ließ, ohne sofort all die alten Bilder aus Verfolgung und Märchen mit sich zu tragen.

Das bedeutet für mich nicht, dass jede heutige Wicca genau so lebt oder arbeitet wie ein Mensch vor mehreren Jahrhunderten. Natürlich hat sich der Weg verändert. Hexen haben gelernt. Wissen wurde ergänzt, Rituale wurden angepasst und unterschiedliche Formen des Hexenwegs sind entstanden.

Aber der Kern ist für mich geblieben: die Verbindung zur Natur und ihren Kreisläufen, das Beobachten von Mond und Sternen, der Umgang mit Energie und Absicht, Intuition, altes Wissen, Rituale und die Verantwortung für das eigene Handeln.

Eine Wicca muss für mich dabei weder einer bestimmten Gottheit folgen noch einem Zirkel angehören. Manche arbeiten mit Gottheiten, Ahnen oder Mutter Erde, andere ohne persönliche Gottheit. Auch darin zeigt sich für mich, dass der Hexenweg nie nur eine einzige Form hatte.

Die Geschichtsforschung kann zeigen, ab wann modernes Wicca als organisierte und dokumentierte Bewegung deutlich greifbar wird. Meine persönliche Sicht beantwortet eine andere Frage: Wo sehe ich die Wurzeln des Weges, den ich selbst lebe? Und diese Wurzeln reichen für mich weit vor das 20. Jahrhundert zurück.

Der Name hat sich verändert.
Der Weg hat sich weiterentwickelt.
Aber für mich gehören Wicca und Hexe bis heute zusammen.

Was geblieben ist

Nach all den Jahrhunderten der Angst, der Verfolgung und der Veränderung bleibt für mich die Frage:

Was ist von diesem alten Weg geblieben?

Geblieben ist die Verbindung zur Natur. Das Beobachten von Mond und Sternen. Das Wissen um Jahreszeiten, Pflanzen und Kräuter. Rituale, Schutzbräuche, Ahnen, Zeichen, Intuition und die bewusste Arbeit mit Energie.

Manches wurde überliefert. Manches wurde im Stillen bewahrt. Manches ging verloren und wurde später wiederentdeckt oder neu zusammengesetzt. Und natürlich hat sich der Weg verändert – denn auch Hexen lernen, sammeln Erfahrungen und passen ihr Wissen an die Zeit an, in der sie leben.

Für mich liegt der Kern trotzdem noch immer dort, wo er immer lag: im bewussten Wahrnehmen. Im Lernen und Hinterfragen. Im Vertrauen auf die eigene Intuition. In der Verbindung zu Natur und Energie. Und in der Verantwortung für das, was wir mit unserem Wissen und unserer Absicht tun. Das entspricht auch der Grundhaltung aus Die drei Augen einer Hexe: Natur, Wahrnehmung, Geist und Intuition gehören zusammen, und Magie beginnt nicht im Werkzeug, sondern in uns selbst.

Genau deshalb sind für mich Körper, Geist und Seele – die drei Augen einer Hexe – bis heute so wichtig. Das erste Auge nimmt wahr. Das zweite fragt und sucht nach Zusammenhängen. Das dritte fühlt und vertraut der Intuition. Erst gemeinsam zeigen sie mir den Weg.

Auch Licht und Schatten gehören weiterhin zusammen. Werden und Vergehen, Anfang und Ende, Geben und Nehmen sind keine voneinander getrennten Welten. Die Natur selbst zeigt uns, dass Veränderung aus beidem entsteht.

Der Hexenweg ist für mich deshalb kein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Er lebt dort weiter, wo Menschen wieder genauer hinsehen, altes Wissen achten, Neues lernen und ihren eigenen Weg bewusst und verantwortungsvoll gehen.

Der Name mag sich verändert haben.
Die Formen mögen andere geworden sein.
Aber die Verbindung zur Natur, zur eigenen Intuition und zu den Kräften, mit denen wir leben und arbeiten, ist für mich geblieben.

 

Die Geschichte der Hexe endet für mich nicht mit den Scheiterhaufen.


Sie lebt weiter – in alten Akten und Büchern, in regionalen Überlieferungen, in Familiengeschichten und in den Menschen, die sich heute wieder offen mit diesem Weg verbinden.

Wenn wir zurückblicken, sehen wir nicht nur Verfolgung. Wir sehen auch Wissen, das bewahrt wurde, Menschen, die widersprachen, Familien, die weiterlebten, und einen Weg, der sich verändert hat, ohne seine Verbindung zur Natur, zur Intuition und zur Verantwortung zu verlieren.

Ich möchte diese Geschichte deshalb weder verklären noch nur als dunkles Kapitel erzählen. Für mich gehört beides dazu: das, was wir heute historisch belegen können, und das, was über Generationen als Erinnerung und Überlieferung weitergegeben wurde.

Vielleicht ist genau das der wichtigste Gedanke am Ende dieser Seite:

Geschichte ist nicht nur das, was einmal war.
Sie wirkt in dem weiter, was wir heute daraus machen.

Die Hexe ist nicht verschwunden. Ihr Weg hat sich verändert, neue Namen bekommen und neue Formen gefunden.

Für mich lebt er weiter – in Wicca, im Hexenweg und in jedem Menschen, der bewusst hinsieht, lernt, fühlt und Verantwortung für sein Handeln übernimmt.

Calluna Mystica