
Was ist Kartenlegen?
Kartenlegen bedeutet für mich weit mehr, als eine Karte umzudrehen und darin eine fertige Antwort zu suchen. Jede Karte trägt Bilder, Symbole und eine eigene Bedeutung in sich. Doch sobald mehrere Karten miteinander ausgelegt werden, entsteht daraus ein größeres Bild.
Eine Karte kann ein Gefühl zeigen.
Eine andere einen Menschen, eine Situation oder eine Entwicklung. Und manchmal verändert sich die Aussage einer Karte dadurch, welche Karte neben ihr liegt und in welchem Zusammenhang sie erscheint. Genau darin liegt für mich das Besondere am Kartenlegen.
Nicht eine einzelne Karte erzählt die ganze Geschichte. Erst ihre Verbindung lässt das Gesamtbild entstehen.
Beim Kartenlegen können Fragen zur Vergangenheit, zur Gegenwart und zu möglichen zukünftigen Entwicklungen betrachtet werden. Es können Beziehungen sichtbar werden, wiederkehrende Muster, Entscheidungen, Hindernisse oder etwas, das bisher nicht bewusst wahrgenommen wurde.
Dabei sehe ich Karten nicht als etwas, das über einen Menschen bestimmt.
Sie zeigen - Sie verbinden - Sie machen aufmerksam
Was ein Mensch daraus macht, bleibt sein eigener Weg.
Von Spielkarten zu Wahrsagekarten
Karten waren nicht von Anfang an Wahrsagekarten.
In Europa wurden sie zunächst vor allem zum Spielen verwendet. Mit der Zeit begann man jedoch, in den Bildern und Kombinationen mehr zu sehen als nur ein Kartenspiel.
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Kartenlegen besonders in Frankreich zu einer bekannten Form der Wahrsagung. Einer der wichtigsten Namen dieser Zeit war Jean-Baptiste Alliette, der unter dem Namen Etteilla bekannt wurde. Er beschäftigte sich intensiv mit der Deutung von Karten und veröffentlichte Systeme, mit denen Karten gezielt zur Wahrsagung gelesen werden konnten.
Aus dem Spiel wurde damit immer stärker ein Werkzeug der Deutung.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden zahlreiche Kartensysteme, die ausdrücklich dafür geschaffen wurden, Menschen, Gefühle, Ereignisse und mögliche Entwicklungen darzustellen.
Heute gibt es deshalb sehr unterschiedliche Karten.
Manche arbeiten stark mit Symbolen.
Andere mit Personen.
Andere zeigen Situationen aus dem täglichen Leben.
Doch hinter ihnen steht derselbe Grundgedanke:
Ein Bild kann mehr erzählen als das, was auf den ersten Blick darauf zu sehen ist.
Wie eine Kartenlegung gelesen wird
Jede Karte besitzt ihre eigene Grundbedeutung.
Doch für mich reicht es nicht, eine Karte anzusehen, ihre Bedeutung auswendig aufzusagen und zur nächsten weiterzugehen.
Ich lese Karten im Zusammenhang.
Welche Karten liegen nebeneinander?
Welche Themen wiederholen sich?
Wo verstärkt eine Karte eine andere?
Wo entsteht ein Widerspruch?
Und welche Geschichte ergibt sich aus dem gesamten Bild?
Eine Karte über Liebe kann in einer Legung etwas ganz anderes erzählen, wenn neben ihr Freude und Treue liegen, als wenn sie von Eifersucht, Falschheit oder Traurigkeit umgeben ist.
Die Grundbedeutung bleibt.
Aber der Zusammenhang zeigt mir, wie sie sich in dieser Legung ausdrückt.
Deshalb gehören für mich Wissen und Intuition zusammen.
Ich kenne die Bedeutung meiner Karten. Gleichzeitig schaue ich darauf, was sich aus ihrer Verbindung ergibt und worauf meine Wahrnehmung mich aufmerksam macht.
In meinem Buch beschreibe ich Intuition als etwas, dem ich bewusst vertraue und das sich durch Beobachten, Zuhören und Wahrnehmen entwickelt. Genau diese Verbindung spielt auch beim Lesen der Karten eine Rolle.
Was Karten zeigen können
Für mich ist die Zukunft nicht in Stein gemeißelt.
Eine Kartenlegung zeigt mir, was im Augenblick wirkt.
Welche Entwicklung hat begonnen?
Was zieht sich vielleicht schon länger durch eine Situation?
Was geschieht, wenn der bisherige Weg so weitergeführt wird?
Und wo befindet sich möglicherweise ein Punkt, an dem etwas verändert werden kann?
Deshalb verstehe ich eine Zukunftslegung als Momentaufnahme eines Weges.
Wenn du morgen anders entscheidest als heute, kann sich auch dein weiterer Weg verändern.
Wenn du eine Beziehung beendest, eine Möglichkeit annimmst, eine Grenze setzt, etwas aussprichst oder dein Verhalten veränderst, entsteht daraus etwas Neues.
Die Karten haben deshalb für mich nicht die Aufgabe, dir zu sagen:
„So wird es kommen und du kannst nichts dagegen tun.“
Sie können vielmehr zeigen:
„Das ist der Weg, der sich gerade entwickelt.“
Und genau darin liegt ein Unterschied.
Denn eine Wahrsagung nimmt dir weder deine Entscheidung noch deine Verantwortung ab. Diese Haltung zieht sich auch durch meine übrige spirituelle Arbeit: Die Kraft liegt nicht allein im Werkzeug, sondern im Menschen, der damit arbeitet und entscheidet, was er daraus macht.
Verschiedene Karten
–
verschiedene Sprachen
Kartenlegen ist nicht gleich Kartenlegen.
Im Laufe der Zeit sind verschiedene Kartensysteme entstanden. Sie unterscheiden sich in ihren Bildern, ihrem Aufbau und darin, wie sie gelesen werden.
Zu den bekanntesten gehören beispielsweise Tarotkarten, Lenormandkarten, Kipperkarten und Zigeunerkarten.
Tarot arbeitet mit einem umfangreichen System aus 78 Karten und einer starken Symbolsprache.
Lenormand besteht traditionell aus 36 Karten mit klaren Symbolen wie Haus, Schiff, Baum, Ring oder Schlüssel.
Auch Kipperkarten besitzen 36 Karten und arbeiten besonders stark mit Personen und Situationen des täglichen Lebens.
Die traditionellen Zigeunerkarten bestehen ebenfalls aus 36 Karten, sind aber ein eigenes Kartensystem.
Man sollte diese Decks deshalb nicht einfach miteinander vermischen.
Sie besitzen ihre eigene Sprache.
Und wie bei jeder Sprache braucht es Zeit, bis man nicht mehr nur einzelne Wörter erkennt, sondern versteht, was sie gemeinsam erzählen.
Die
Zigeunerkarten
Die Zigeunerkarten
Die heute bekannten traditionellen Zigeunerkarten entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts in Österreich.
Ihr Deck besteht aus 36 Karten.
Auf ihnen finden sich keine komplizierten abstrakten Darstellungen, sondern sehr menschliche Themen.
| Liebe | Treue | Sehnsucht |
| Eifersucht | Glück | Traurigkeit |
| Geld | Reise | Botschaft |
| Kind | Haus | Heirat |
| Tod |
Und viele weitere Situationen, Gefühle und Erfahrungen, die zum menschlichen Leben gehören.
Genau dadurch besitzen diese Karten eine sehr direkte Bildsprache.
Sie erzählen vom Leben.
Von dem, was Menschen verbindet.
Von dem, was sie hoffen.
Von dem, was sie verlieren können.
Und von dem, was sich zwischen ihnen entwickelt.
Eine einzelne Karte trägt dabei ihren eigenen Kern. Doch gerade bei den Zigeunerkarten entstehen für mich viele Feinheiten erst dadurch, wie mehrere dieser menschlichen Themen miteinander zusammentreffen.
Warum ich mit Zigeunerkarten arbeite
Es gibt viele Kartensysteme.
Ich könnte deshalb so tun, als wären sie für mich alle gleich.
Das sind sie aber nicht.
Meinen stärksten Bezug habe ich zu den Zigeunerkarten.
Sie sagen mir am meisten.
Ihre Bilder, ihre Themen und ihre Art, Situationen miteinander zu verbinden, liegen mir.
Und aus ihnen kann ich am besten lesen.
Karten gehören zu meinem spirituellen Weg, auch wenn mir Pendel und Runen persönlich näher liegen.
Wenn jemand jedoch ausdrücklich mit Karten arbeiten möchte, greife ich zu den Zigeunerkarten.
Nicht weil andere Kartensysteme deshalb schlechter wären.
Sondern weil eine Verbindung zu einem Werkzeug für mich etwas Persönliches ist.
Das gilt für mein Pendel ebenso wie für meine Karten.
Ein Werkzeug muss zu dem Menschen passen, der damit arbeitet.
Wie ich die Karten lege
Bei einer Kartenlegung betrachte ich nicht nur einzelne Karten, sondern immer ihr Zusammenspiel. Erst durch ihre Verbindung entsteht für mich das eigentliche Bild.
Welche Legung verwendet wird, bestimme ich nicht einfach für dich. Wenn du bereits weißt, welche Legung du möchtest, arbeiten wir damit. Wenn du unsicher bist, kann ich dich beraten und dir zeigen, welche Legung zu deinem Anliegen passen könnte. Die Entscheidung bleibt aber immer bei dir.
Eine Ausnahme ist die Tageskarte. Dabei wird zunächst nur eine Karte gezogen. Wenn du noch eine weitere Klärung möchtest, kann eine zweite Karte dazukommen.
Für mich sollen Karten keine Entscheidungen abnehmen. Sie können etwas sichtbar machen, Zusammenhänge zeigen oder einen neuen Blick auf eine Situation öffnen.
Die Karten zeigen einen Weg – gehen musst du ihn selbst.