Die Welt der Runen

Jede Rune trägt eine eigene Bedeutung, ein eigenes Bild und eine eigene Kraft. Wenn ich eine Rune ziehe, sehe ich deshalb nicht nur das Zeichen auf dem Stein. Ich betrachte, was sie mir in diesem Augenblick zeigt, welche Verbindung zu meiner Frage entsteht und welche anderen Runen neben ihr liegen.

Ich arbeite mit dem Älteren Futhark und zusätzlich mit Wyrd. Wyrd gehört nicht zu den historischen 24 Zeichen des Futhark. In meiner Wahrsagungsarbeit hat diese Rune dennoch ihren festen Platz. Für mich steht sie für das Unsichtbare, das Unbekannte und das Gewebe des Schicksals.

 

Die 24 Runen des Älteren Futhark sind in drei Gruppen zu jeweils acht Zeichen gegliedert. Diese Einteilung ist tatsächlich schon auf frühen Runenfunden erkennbar. Die heute verwendeten Namen der einzelnen Aettir sind dagegen später entstanden. Auf dieser Seite verwende ich die Einteilung, mit der ich selbst arbeite:

Freyrs Aett · Heimdalls Aett · Tyrs Aett · Wyrd

So bekommt jede Rune ihren eigenen Platz.

Und wer tiefer gehen möchte, kann von hier aus jede einzelne Rune betreten und ihre Welt kennenlernen.

Das Ältere Futhark – die Wurzeln meiner Runenarbeit

Ich arbeite mit dem Älteren Futhark. Es besteht aus 24 Runen und ist die älteste bekannte vollständige Runenreihe. Sein Name entsteht aus den ersten sechs Zeichen:

Fehu · Uruz · Thurisaz · Ansuz · Raidho · Kenaz

Runen waren ursprünglich Schriftzeichen. Mit ihnen wurden Namen, Wörter und kurze Botschaften in Gegenstände, Waffen, Schmuck, Knochen, Holz oder Stein geritzt. Sie gehören also nicht erst zur heutigen spirituellen Arbeit. Ihre Wurzeln reichen weit zurück in die germanische Eisenzeit.

Für mich endet eine Rune aber nicht bei ihrem Lautwert.

Ein Zeichen kann gelesen werden.
Eine Rune kann gedeutet werden.

Fehu ist für mich deshalb nicht einfach nur ein Zeichen für einen Laut. Dahinter stehen Bilder von Vieh, Besitz und beweglichem Reichtum – und daraus entsteht eine Bedeutung, die ich auch in meiner heutigen Runenarbeit lesen kann.

Dasselbe gilt für die anderen Runen. Ihre Namen führen zu Tieren, Pflanzen, Naturkräften, Menschen, Göttern, Bewegung, Not, Freude, Erbe oder Wandel. Manche Bedeutungen sind gut überliefert. Bei anderen mussten die alten Namen sprachwissenschaftlich rekonstruiert werden, weil uns nicht alles vollständig erhalten geblieben ist.

 

Das ist mir wichtig.

Ich möchte altes Wissen nicht größer machen, als es belegt ist. Aber ich möchte auch nicht übersehen, was darin weiterlebt.

Die 24 Runen werden in drei Gruppen zu jeweils acht Runen gegliedert. Diese Gruppen heißen Aettir. Für meine Arbeit verwende ich die heute bekannten Bezeichnungen:

Freyrs Aett · Heimdalls Aett · Tyrs Aett

Jedes Aett führt durch einen anderen Bereich. Von grundlegenden Kräften des Lebens über Prüfung und Veränderung bis hin zu Mensch, Gemeinschaft, Herkunft und Entwicklung.

Und genau dort beginnen wir.

Die drei Aettir

Die 24 Runen des Älteren Futhark sind in drei Gruppen zu jeweils acht Runen gegliedert – die sogenannten Aettir.

Diese Dreiteilung ist alt. Die heute gebräuchlichen Namen Freyrs Aett, Heimdalls Aett und Tyrs Aett gehören jedoch nicht alle in dieser Form zur frühen Überlieferung.

Für meine Runenarbeit passen diese Namen trotzdem sehr gut zu den Wegen, die ich in den drei Aettir erkenne:

Freyr steht für Wachstum, Fruchtbarkeit und Wohlstand.
Heimdall ist Wächter und Hüter der Grenze zwischen den Welten.
Tyr steht für Recht, Verantwortung und den Mut, für den eigenen Weg einzustehen.

Für mich geben diese drei Gottheiten den Aettir eine Richtung, ohne die einzelnen Runen auf eine einzige Bedeutung festzulegen.

Wyrd steht außerhalb dieser drei Aettir. Sie gehört für mich trotzdem zu meinem Runensatz und bekommt deshalb ihren eigenen Platz.

Freyrs Aett

Lebenswichtige Kräfte

Ich bin Fehu
Reichtum, Besitz und das, was wächst

Ich bin Uruz
Stärke, Lebenskraft und Ausdauer

Ich bin Thurisaz
Rohkraft, Schutz und klare Grenze

Ich bin Ansuz
Weisheit, Sprache und Botschaft


Ich bin Raidho
Reise, Richtung und bewusster Weg

Ich bin Kenaz
Erkenntnis, Feuer und inneres Licht

Ich bin Gebo
Geschenk, Austausch und Verbindung

Ich bin Wunjo
Freude, Harmonie und Zugehörigkeit.

Heimdalls Aett

Prüfungen und Transformation

Ich bin Hagalaz
Umbruch, Läuterung und Veränderung.

Ich bin Naudiz
Notwendigkeit, Disziplin und Durchhalten.

Ich bin Isa
Stillstand, Ruhe und Klarheit.

Ich bin Jera
Ernte, Zyklus und gereifte Zeit.


Ich bin Eihwaz
Schutz, Wandlung und innere Stärke.

Ich bin Perthro
Geheimnis, Schicksal und das Verborgene.

Ich bin Algiz
Schutz, Verbindung und Wachsamkeit.

Ich bin Sowilo
Sonne, Erfolg und Lebenskraft.

Tyrs Aett

Menschliche Erfahrung und Gesellschaft

Ich bin Tiwaz
Mut, Gerechtigkeit und Verantwortung.

Ich bin Berkano
Geburt, Wachstum und Heilung.

Ich bin Ehwaz
Partnerschaft, Vertrauen und Bewegung.

Ich bin Mannaz
Mensch, Selbst und Gemeinschaft.


Ich bin Laguz
Wasser, Intuition und Gefühl.

Ich bin Ingwaz
Samen, Potenzial und innere Reife.

Ich bin Dagaz
Durchbruch, Wandel und neuer Morgen.

Ich bin Othala
Erbe, Heimat und Herkunft.

Wyrd

Wyrd gehört nicht zu den 24 Runen des Älteren Futhark und steht außerhalb der drei Aettir. Für meine Runenarbeit gehört sie dennoch fest zu meinem Runensatz.

Für mich steht Wyrd für das Unsichtbare, das noch nicht Erkennbare und für das Gewebe des Schicksals – für all das, was sich unserem Blick noch entzieht und trotzdem Teil unseres Weges sein kann.

Ich bin Wyrd

Das Unsichtbare und das Gewebe des Schicksals.

Runen als Begleiter

Jede Rune trägt für mich eine eigene Grundbedeutung, eine eigene Kraft und bestimmte Themen, auf die ich in meiner Arbeit zurückgreife.

Fehu bleibt mit Besitz, Wert und Wachstum verbunden.
Tiwaz trägt Mut, Gerechtigkeit und Verantwortung in sich.
Laguz führt zu Wasser, Gefühl und Intuition.
Und so besitzt jede Rune ihren eigenen Kern.

Diese Bedeutung löst sich nicht auf, nur weil mehrere Runen gemeinsam erscheinen.

Aber sie bekommt einen Zusammenhang.

Eine Rune kann eine andere verstärken, ihr eine neue Richtung geben, auf einen Widerstand hinweisen oder zeigen, auf welcher Ebene sich ihre Bedeutung gerade besonders ausdrückt. Deshalb betrachte ich in einer Runenbefragung niemals nur einzelne Zeichen nebeneinander. Ich sehe, wie sie miteinander wirken und welche Geschichte sich aus ihrer Verbindung ergibt.

Dabei gehören für mich Wissen und Intuition zusammen.

 

Ich kenne die überlieferten und heutigen Bedeutungen der Runen und arbeite bewusst mit ihnen. Gleichzeitig achte ich darauf, was sich aus der jeweiligen Frage, der Stellung einer Rune und den anderen gezogenen Runen zeigt.

Genau deshalb begleiten mich Runen auf so unterschiedliche Weise.

Ich nutze sie in der Wahrsagung, in Ritualen, in Binderunen und in meiner persönlichen spirituellen Arbeit. Ihre Grundkraft bleibt dabei bestehen – doch die Art, wie sie sich zeigt, kann sich verändern.

Mit der Zeit wächst auch die eigene Beziehung zu ihnen.

Je länger ich mit einer Rune arbeite, desto mehr erkenne ich ihre verschiedenen Seiten. Licht und Schatten. Stärke und Herausforderung. Bewegung und Grenze.

Für mich liegt genau darin ihre Tiefe:

Eine Rune sagt nicht alles. Aber sie sagt etwas.

Und wenn mehrere Runen miteinander sprechen, entsteht daraus ein Bild, das weit über eine einzelne Bedeutung hinausgehen kann.

Deshalb endet meine Runenarbeit nicht damit, ihre Bedeutungen zu kennen.

Dort beginnt sie erst.