Othala

Ich bin Othala

Erbe, Heimat und Herkunft.

Othala gehört zu den letzten Runen des Älteren Futhark und besitzt den Lautwert O.

In der heute üblichen Ordnung ist sie die vierundzwanzigste Rune. Wie bei Dagaz erwähnt, zeigen einige alte Futhark-Reihen die beiden Schlussrunen in umgekehrter Reihenfolge.

Schlüsselwörter

Erbe · Heimat · Herkunft · Wurzeln · Ahnen · Familie · Zugehörigkeit · Weitergabe

Name und Herkunft

Für das Ältere Futhark wird der Name gewöhnlich als *Ōþalan, *Ōþala oder in einer verwandten rekonstruierten Form angegeben.

Sein altes Bedeutungsfeld liegt bei Erbbesitz, angestammtem Besitz und ererbtem Land.

Im Altenglischen begegnet die Rune als Eþel.

Der historische Kern von Othala ist damit erstaunlich konkret.

Es geht um das, was nicht einfach irgendwo erworben wurde.

Es gehört zu einer Herkunft.

Zu einem Haus.

Zu einem Besitz, der bereits vor einem selbst da war und weitergegeben wurde.

Für meine heutige Arbeit öffnet sich daraus jedoch ein viel größerer Raum.

Denn wir erben nicht nur Land oder Gegenstände.

Wir übernehmen auch Geschichten.

Erinnerungen.

Wissen.

Gewohnheiten.

Stärken.

Verletzungen.

Traditionen.

Und manches, von dem wir erst viel später erkennen, wie tief es in uns verwurzelt ist.

Grundbedeutung

Für mich steht Othala für Erbe, Heimat, Herkunft, Wurzeln, Ahnen und Weitergabe.

Dabei bedeutet Erbe für mich nicht:

Alles, was von früher kommt, muss bewahrt werden.

Ganz im Gegenteil.

Ein Erbe anzunehmen bedeutet für mich auch, es anzusehen.

Was davon trägt mich?

Was davon gehört wirklich zu mir?

Was möchte ich weitergeben?

Und was darf mit mir enden?

Denn Herkunft ist keine Kette.

Sie ist eine Wurzel.

Eine Wurzel kann nähren.

Aber aus einer Wurzel wächst etwas Neues.

Der Baum sieht nicht genauso aus wie der Samen, aus dem er entstanden ist.

Für mich bedeutet Othala deshalb:

Ich darf wissen, woher ich komme, ohne deshalb nur das wiederholen zu müssen, was vor mir war.

Othala in der Wahrsagung

Wenn ich Othala in einer Runenbefragung ziehe, schaue ich auf Herkunft, Familie, Zuhause, Besitz und das, was übernommen wurde.

Sie kann auf ein starkes Fundament hinweisen.

Auf Unterstützung durch Familie oder Ahnen.

Auf ein Zuhause.

Auf Eigentum.

Auf Erbschaft.

Auf eine Tradition oder ein Wissen, das weitergegeben wurde.

Sie kann auch zeigen, dass etwas aus der Vergangenheit für eine heutige Frage wichtig ist.

Dann frage ich:

Woher kommt das?

Was wurde dir mitgegeben?

Was davon stärkt dich?

Und was davon trägst du nur weiter, weil es schon immer so war?

Gerade darin liegt auch ihre Schattenseite.

Familie kann Geborgenheit sein.

Aber Familie kann auch belasten.

Tradition kann Wissen bewahren.

Aber Tradition kann ebenfalls verhindern, dass etwas Neues entstehen darf.

Heimat kann schützen.

Aber Zugehörigkeit kann zum Zwang werden, wenn sie verlangt, dass ich mich selbst dafür aufgebe.

Othala kann deshalb auf belastende Familienmuster, Besitzdenken, starre Traditionen, Abgrenzung, Verlust von Heimat oder eine Herkunft hinweisen, mit der noch etwas geklärt werden möchte.

Manchmal geht es auch darum, dass jemand nirgendwo wirklich verwurzelt ist.

Dann fragt Othala:

Was bedeutet Heimat für dich überhaupt?

Die Botschaft von Othala

Othala erinnert mich daran, dass mein Weg nicht erst mit mir begonnen hat.

Vor mir waren andere.

Menschen, die Entscheidungen getroffen haben.

Die geliebt haben.

Die Fehler gemacht haben.

Die Wissen weitergegeben haben.

Die manches verloren haben.

Und die Spuren hinterlassen haben.

Ich muss sie nicht verklären, um mit ihnen verbunden zu sein.

Ich darf das Gute bewahren.

Ich darf das Schwierige ansehen.

Und ich darf entscheiden, was durch mich eine andere Richtung bekommt.

Othala fragt:

Was möchtest du weitertragen?

Was darf bei dir enden?

Und was möchtest du eines Tages selbst hinterlassen?

Damit richtet sich diese Rune für mich nicht nur nach hinten.

Sie richtet sich genauso nach vorn.

Denn auch ich werde Teil dessen, was nach mir kommt.

Aus der Überlieferung

Othala wurde nicht als eigenständige Rune in das Jüngere Futhark übernommen.

Deshalb gibt es keine entsprechende norwegische oder isländische Runengedicht-Strophe.

In der altenglischen Überlieferung blieb sie dagegen als Eþel erhalten.

Das altenglische Runengedicht beschreibt ererbten Besitz beziehungsweise das eigene Anwesen als etwas, das einem Menschen besonders lieb ist, wenn er dort das genießen kann, was ihm rechtmäßig zukommt.

Damit bestätigt diese spätere Quelle sehr deutlich den historischen Kern:

Erbbesitz. Heimat. Das eigene Haus und das, was von früher weitergegeben wurde.

Die moderne spirituelle Verbindung zu Ahnen, familiären Mustern und geistigem Erbe geht darüber hinaus.

Für mich wächst sie jedoch sehr natürlich aus dem alten Kern der Rune.

Denn Erbe ist für mich nie nur das, was ich anfassen kann.

Mit Othala arbeiten

Ich arbeite mit Othala bei Ahnenarbeit, Familie, Herkunft, Heimat, Schutz des eigenen Raumes und dem bewussten Umgang mit überliefertem Wissen.

Wenn ich mich mit meinen Wurzeln verbinde.

Wenn ich meinen Ahnen Raum gebe.

Wenn ich wissen möchte, welche Muster in einer Familie weitergetragen werden.

Wenn ich etwas bewahren möchte.

Oder wenn ich bewusst entscheide, dass etwas nicht weitergegeben werden soll.

Ahnenarbeit bedeutet für mich dabei nicht nur Erinnerung.

Ich erlebe die Verbindung zu meinen Ahnen als Teil meines spirituellen Weges.

Wissen, Erfahrungen und Kräfte können für mich über Generationen Spuren hinterlassen.

Manches wird ausgesprochen weitergegeben.

Manches durch Geschichten.

Manches durch Handlungen.

Und manches empfinde ich auf einer spirituellen Ebene.

Othala besitzt deshalb für mich eine sehr tiefe Verbindung zu Wurzeln und Weitergabe.

Meine Sicht auf Othala

Othala berührt einen Teil meines Weges, der für mich sehr persönlich ist.

Ich glaube nicht, dass wir vollkommen ohne Wurzeln entstehen.

Menschen vor uns haben uns etwas hinterlassen.

Nicht nur im Materiellen.

Auch in Wissen.

Erfahrungen.

Erinnerungen.

Und für mich auch in spiritueller Verbindung.

Meine Ahnen gehören zu meinem Weg.

Das bedeutet nicht, dass ich alles übernehmen muss, was vor mir war.

Licht und Schatten gibt es auch in Familien.

Auch Ahnen waren Menschen.

Sie hatten ihre Wege.

Ihre Entscheidungen.

Ihre Fehler.

Ihre Kraft.

Ich muss sie nicht zu etwas machen, was sie nicht waren, um sie zu achten.

Für mich bedeutet Othala deshalb:

Ich nehme meine Wurzeln an, aber ich entscheide selbst, was daraus weiterwächst.

Heimat ist für mich ebenfalls mehr als ein Geburtsort.

Heimat kann ein Haus sein.

Ein Garten.

Ein Mensch.

Eine Familie.

Ein Ort, an dem ich mich geschützt fühle.

Oder dieses tiefe Gefühl:

Hier darf ich sein.

Und irgendwann hinterlasse auch ich etwas.

Vielleicht Besitz.

Vielleicht Wissen.

Vielleicht Erinnerungen.

Vielleicht einen Gedanken, der in einem anderen Menschen weiterlebt.

Othala fragt mich deshalb nicht nur:

Woher kommst du?

Sie fragt:

Was lässt du zurück, wenn dein eigener Weg eines Tages weitergegeben wird?