Perthro

Ich bin Perthro

Geheimnis, Schicksal und das Verborgene.

Perthro ist die vierzehnte Rune des Älteren Futhark. Ihr Lautwert ist P.

Schlüsselwörter

Geheimnis · Schicksal · Verborgenes · Ungewissheit · Möglichkeit · Enthüllung · Zufall · unbekannter Ausgang

Name und Herkunft

Perthro gehört zu den Runen, bei denen ich historische Sicherheit und heutige Deutung besonders deutlich voneinander trennen möchte.

Für das Ältere Futhark wird gewöhnlich eine Form wie *Perþrō rekonstruiert.

Doch was dieser Name ursprünglich bedeutete, wissen wir nicht sicher.

In der altenglischen Runentradition begegnet die Rune als Peorð.

Auch dieses Wort lässt sich bis heute nicht überzeugend übersetzen, weil es außerhalb des Runennamens nicht eindeutig belegt ist.

Es wurden viele Bedeutungen vorgeschlagen.

Ein Spielstein.

Ein Gefäß.

Ein Würfel- oder Losbecher.

Andere Gegenstände.

Keine dieser Erklärungen ist jedoch historisch gesichert.

Für mich macht gerade diese Unsicherheit Perthro besonders interessant.

Denn nicht alles lässt sich vollständig erklären.

Nicht alles lässt sich vorhersehen.

Und nicht alles liegt offen vor uns.

Grundbedeutung

Für mich steht Perthro für Geheimnis, das Verborgene, Schicksal und den Teil eines Weges, den ich noch nicht kennen kann.

Dabei bedeutet Schicksal für mich nicht, dass jede Zukunft bereits festgeschrieben ist.

Unsere Entscheidungen verändern Wege.

Andere Menschen treffen Entscheidungen.

Umstände verändern sich.

Und manchmal geschieht etwas, das niemand vorhersehen konnte.

Perthro erinnert mich daran, dass es immer einen Teil geben kann, der noch verborgen bleibt.

Eine Information fehlt.

Eine Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen.

Oder die Antwort kann einfach noch nicht sichtbar sein.

Für mich liegt die Kraft dieser Rune deshalb nicht darin, jedes Geheimnis aufzudecken.

Manchmal liegt sie darin, Ungewissheit auszuhalten.

Perthro in der Wahrsagung

Wenn ich Perthro in einer Runenbefragung ziehe, werde ich besonders vorsichtig mit schnellen Antworten.

Sie kann zeigen, dass noch nicht alle Informationen vorhanden sind.

Dass etwas verborgen ist.

Dass eine Situation einen unbekannten Faktor enthält.

Oder dass das Ergebnis stärker von zukünftigen Entscheidungen und Umständen abhängt, als es im Augenblick scheint.

Dann frage ich:

Was weißt du noch nicht?

Was versuchst du unbedingt vorherzusehen?

Und könntest du akzeptieren, dass manche Antwort erst später sichtbar wird?

Perthro kann auch auf eine überraschende Enthüllung hinweisen.

Auf etwas, das ans Licht kommt.

Auf eine Möglichkeit, mit der bisher niemand gerechnet hat.

Oder auf einen Wendepunkt, dessen Ausgang noch offen ist.

Doch auch diese Rune besitzt eine andere Seite.

Geheimnisse können bewusst verborgen werden.

Menschen können Informationen zurückhalten.

Und manchmal verlassen wir uns so sehr auf Glück, Zufall oder vermeintliches Schicksal, dass wir vergessen, selbst zu handeln.

Dann kann Perthro auf Unklarheit, Geheimhaltung, falsche Erwartungen, Abhängigkeit vom Zufall oder den Versuch hinweisen, unbedingt eine Antwort zu erzwingen, die noch nicht gegeben werden kann.

Für mich sagt Perthro deshalb nicht:

Das Schicksal hat entschieden.

Sie sagt:

Du kennst noch nicht alles.

Und das ist ein Unterschied.

Welche Seite sich zeigt, ergibt sich aus der Frage, ihrer Lage innerhalb der Befragung und den Runen, die sie begleiten.

Die Botschaft von Perthro

Perthro erinnert mich daran, dass ich nicht jede Antwort sofort bekommen muss.

Das fällt uns manchmal schwer.

Wir möchten wissen, was geschieht.

Wie etwas ausgeht.

Was ein anderer Mensch denkt.

Ob eine Entscheidung richtig sein wird.

Aber manche Antworten existieren noch gar nicht.

Sie entstehen erst durch das, was als Nächstes geschieht.

Perthro fragt:

Was möchtest du unbedingt wissen?

Warum brauchst du diese Antwort jetzt?

Und was kannst du entscheiden, auch wenn du den Ausgang noch nicht kennst?

Für mich liegt darin eine wichtige Botschaft:

Ungewissheit nimmt mir nicht automatisch meine Handlungsfähigkeit.

Ich kann einen Schritt gehen, ohne den gesamten Weg zu kennen.

 

Aus der Überlieferung

Perthro ist historisch eine der schwierigsten Runen.

Die einzige erhaltene Runengedicht-Strophe zu dieser Rune stammt aus der altenglischen Überlieferung.

Dort heißt sie Peorð.

Die Strophe beschreibt Spiel und Lachen unter Menschen, die gemeinsam in einer Halle sitzen.

Sie erklärt jedoch nicht, was Peorð selbst eigentlich ist.

Genau deshalb wurden später verschiedene Bedeutungen vorgeschlagen.

Besonders bekannt wurde die Deutung als Würfel- oder Losbecher.

Sie passt zwar zum Bild von Spiel und Geselligkeit, ist aber keine gesicherte Übersetzung des alten Runennamens.

Eine entsprechende Perthro-Strophe gibt es in den norwegischen und isländischen Runengedichten nicht.

Deshalb ist es mir wichtig, hier nicht aus einer Vermutung eine angeblich alte Wahrheit zu machen.

Historisch wissen wir:

Der Name ist überliefert.

Die Strophe spricht von Spiel und Lachen.

Die ursprüngliche Bedeutung des Namens bleibt ungeklärt.

Meine heutige Verbindung von Perthro mit Geheimnis, Ungewissheit und Schicksal gehört zu meiner modernen Runenarbeit.

Mit Perthro arbeiten

Ich arbeite mit Perthro, wenn es um verborgene Zusammenhänge, offene Fragen, Ungewissheit und das Vertrauen in einen noch nicht vollständig sichtbaren Weg geht.

Ich nehme sie, wenn ich merke, dass ich unbedingt eine Antwort erzwingen möchte.

Wenn eine Situation noch zu viele unbekannte Teile besitzt.

Oder wenn ich mich mit dem beschäftigen möchte, was unter der sichtbaren Oberfläche liegt.

Dabei arbeite ich mit Perthro nicht mit dem Anspruch, jedes Geheimnis aufdecken zu können.

Manches gehört mir nicht.

Manches muss noch verborgen bleiben.

Und manches existiert vielleicht noch gar nicht in einer Form, die erkannt werden könnte.

Für mich bedeutet die Arbeit mit Perthro deshalb auch:

zu wissen, wann ich weiterfragen darf – und wann ich eine offene Frage stehenlassen

Meine Sicht auf Perthro

Für mich passt es beinahe zu Perthro, dass wir nicht genau wissen, was ihr alter Name bedeutet.

Eine Rune des Verborgenen, deren eigener Name ein Geheimnis geblieben ist.

Aber ich möchte daraus keine historische Wahrheit machen.

Es ist meine Sicht.

Perthro erinnert mich daran, dass nicht alles sichtbar sein muss, damit ich weitergehen kann.

Ich muss meine Zukunft nicht bis ins letzte Detail kennen.

Ich muss nicht jede Antwort besitzen.

Und ich muss nicht jedes Geheimnis öffnen.

Manches zeigt sich, wenn seine Zeit gekommen ist.

Manches verändert sich durch meine eigenen Entscheidungen.

Und manches bleibt vielleicht immer ein Stück weit verborgen.

Für mich ist Schicksal deshalb kein fertig geschriebenes Buch.

Es ist ein Gewebe aus dem, was geschieht, dem, was andere entscheiden, und dem, was ich selbst daraus mache.

Perthro erinnert mich daran:

Nicht alles liegt in meiner Hand. Aber meine nächsten Schritte gehören trotzdem mir.