Laguz

Ich bin Laguz

Wasser, Intuition und Gefühl.

Laguz ist die einundzwanzigste Rune des Älteren Futhark. Ihr Lautwert ist L.

Schlüsselwörter

Wasser · Intuition · Gefühl · Wahrnehmung · Tiefe · Fluss · Unterbewusstsein · spirituelle Verbindung

Name und Herkunft

Für das Ältere Futhark wird der Runenname als *Laguz rekonstruiert.

Sein Bedeutungsfeld liegt bei Wasser beziehungsweise Gewässer.

Im Altenglischen begegnet die Rune als Lagu, wo das Bild besonders mit Meer und Wasser verbunden ist.

In der altnordischen Tradition finden wir Lögr, ebenfalls Wasser.

Damit ist Wasser keine moderne Zuordnung, die später einfach an die Rune angehängt wurde.

Es gehört zu ihrem alten Namen.

Was später daraus entstanden ist – Intuition, Gefühle, Unterbewusstsein, innere Wahrnehmung – ist die spirituelle Entwicklung dieses Bildes.

Für mich passt sie sehr gut.

Denn Wasser zeigt mir etwas, das ich auch in mir selbst kenne:

Es kann ruhig sein und trotzdem tief.

Grundbedeutung

Für mich steht Laguz für Intuition, Gefühl, Wahrnehmung, Tiefe und Bewegung.

Wasser bleibt nicht einfach an einem Ort.

Es fließt.

Es sucht seinen Weg.

Es nimmt die Form dessen an, was es umgibt, ohne deshalb aufzuhören, Wasser zu sein.

Es kann tragen.

Reinigen.

Nähren.

Aber es kann auch reißen, überfluten und etwas mit sich nehmen.

Genau deshalb ist Laguz für mich keine weichgespülte Rune des „einfach mit dem Fluss Gehens“.

Wasser hat Kraft.

Gefühle ebenfalls.

Und Intuition kann sehr deutlich werden.

Für mich bedeutet Intuition nicht, dass ich meinen Verstand ausschalten soll.

Sie ist eine andere Form des Wahrnehmens.

Manchmal weiß ich etwas, bevor ich es erklären kann.

Manchmal spüre ich eine Veränderung, bevor sie ausgesprochen wurde.

Manchmal meldet sich etwas in mir immer wieder, obwohl der Verstand längst versucht hat, es wegzuschieben.

Laguz sagt mir:

Hör hin.

Aber sie sagt mir nicht:

Glaube blind alles, was du fühlst.

Laguz in der Wahrsagung

Wenn ich Laguz in einer Runenbefragung ziehe, achte ich besonders auf das, was unter der sichtbaren Oberfläche liegt.

Gefühle.

Unausgesprochene Spannungen.

Intuition.

Träume.

Innere Wahrnehmung.

Oder eine Entwicklung, die längst in Bewegung ist, obwohl sie äußerlich noch nicht deutlich geworden ist.

Laguz kann zeigen, dass es sinnvoll ist, weniger auf äußeren Lärm und stärker auf die eigene innere Wahrnehmung zu hören.

Dann frage ich:

Was fühlst du wirklich?

Was sagt dir deine Intuition?

Und was davon versuchst du mit dem Verstand wegzuerklären?

Aber gerade hier gehört die Schattenseite unbedingt dazu.

Angst kann sich ebenfalls wie ein starkes Gefühl anfühlen.

Ein Wunsch kann sich als vermeintliche Gewissheit tarnen.

Eine alte Verletzung kann meine Wahrnehmung färben.

Laguz kann deshalb auch auf emotionale Überforderung, Verwirrung, Illusion, verdrängte Gefühle oder das Gefühl hinweisen, von einer Situation mitgerissen zu werden.

Dann frage ich:

Fließt du noch – oder gehst du gerade unter?

Spricht deine Intuition – oder spricht deine Angst?

Manchmal braucht es Zeit, um diesen Unterschied zu erkennen.

Die Botschaft von Laguz

Laguz erinnert mich daran, dass nicht alles festgehalten werden muss.

Gefühle bewegen sich.

Gedanken bewegen sich.

Leben bewegt sich.

Wenn ich versuche, Wasser mit der Hand festzuhalten, läuft es zwischen meinen Fingern hindurch.

Das bedeutet nicht, dass es verloren ist.

Es bedeutet nur, dass ich nicht alles besitzen oder kontrollieren kann.

Laguz fragt:

Was darf fließen?

Was hast du lange zurückgehalten?

Und wohin zieht es dich, wenn du wirklich in dich hineinhorchst?

Für mich gehört dazu auch Vertrauen.

Nicht blindes Vertrauen.

Sondern Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.

Aus der Überlieferung

Die späteren Runengedichte zeigen Wasser keineswegs nur als sanftes Element.

Im altenglischen Runengedicht erscheint Lagu als Meer.

Für Menschen in einem schwankenden Schiff wirkt es endlos und bedrohlich, während die Wellen sie erschrecken.

Auch die altnordischen Formen bewahren den Bezug zum Wasser.

Das ist für meine heutige Arbeit wichtig.

Die alte Überlieferung zeigt bereits:

Wasser trägt nicht nur. Wasser fordert heraus.

Die Runengedichte sprechen allerdings nicht von Unterbewusstsein oder psychologischer Intuition.

Diese Bedeutungen gehören zur modernen spirituellen Runenarbeit.

Für mich sind sie eine Weiterentwicklung des alten Wasserbildes.

Mit Laguz arbeiten

Ich arbeite mit Laguz, wenn es um Intuition, Gefühle, Träume, innere Wahrnehmung und spirituelle Verbindung geht.

Wenn ich stiller werden möchte.

Wenn ich mich mit meinem inneren Wissen beschäftigen möchte.

Wenn Gefühle festgehalten wurden und wieder Bewegung brauchen.

Oder wenn ich mich einer spirituellen Wahrnehmung öffnen möchte.

Wasser selbst kann dabei für mich ein starkes Element sein.

Eine Schale mit Wasser auf dem Altar.

Ein stiller Moment an einem Fluss.

Reinigung.

Meditation.

Oder einfach das bewusste Beobachten dessen, was sich bewegt.

Ich arbeite auch mit Pendel, Runen und anderen Werkzeugen nicht deshalb, damit sie mir mein Denken abnehmen.

Für mich können sie Sprachrohr und Verbindung sein.

Laguz gehört für mich genau in diesen Raum des Wahrnehmens.

Meine Sicht auf Laguz

Von den drei Augen, über die ich in meinem eigenen Weg spreche, gehört Laguz für mich sehr stark zum Auge der Seele.

Zu Intuition.

Innerem Wissen.

Dem, was nicht immer sofort in Worte passt.

Das bedeutet für mich aber nicht, Körper und Geist auszuschalten.

Ich brauche alle drei.

Ich kann fühlen.

Ich kann denken.

Ich kann beobachten.

Und manchmal entsteht Klarheit erst dort, wo diese Wahrnehmungen miteinander sprechen.

Wasser erinnert mich daran, beweglich zu bleiben.

Es findet einen anderen Weg, wenn ein Stein vor ihm liegt.

Es verliert dabei nicht sein Wesen.

Genau darin liegt für mich die Kraft von Laguz:

Ich kann mich verändern, ohne mich selbst zu verlieren.