
Fehu

Ich bin Fehu
Reichtum, Besitz und das, was wächst.
Fehu steht am Anfang des Älteren Futhark. Sie trägt den Lautwert F und gehört zu Freyrs Aett.
Schlüsselwörter
Reichtum - Besitz - Wohlstand - Ressourcen
Wachstum - Wert - Versorgung- Bewegung
Name und Herkunft
Der Name *Fehu ist die rekonstruierte urgermanische Form des Runennamens. Das Sternchen zeigt, dass dieser Name nicht in genau dieser Form aus einer erhaltenen Inschrift überliefert ist, sondern sprachgeschichtlich erschlossen wurde.
Seine ursprüngliche Bedeutung ist Vieh. In einer Zeit, in der Vieh einen wichtigen Teil des Besitzes und der Versorgung eines Menschen ausmachte, stand damit zugleich etwas Wertvolles dahinter: Vermögen, Lebensgrundlage und beweglicher Besitz.
Spätere verwandte Namensformen sind Feoh im Altenglischen und Fé im Altnordischen. Auch das gotische Wort faihu gehört zu dieser Wortfamilie und bezeichnet Besitz beziehungsweise Vermögen.
Für mich liegt darin bereits etwas Wesentliches von Fehu. Vieh war kein Besitz, der einfach nur irgendwo lag. Es musste versorgt werden, konnte sich vermehren, weitergegeben, getauscht oder verloren werden.
Fehu trägt deshalb für mich nicht nur den Gedanken des Besitzes in sich, sondern auch Wert, Versorgung und Bewegung.
Grundbedeutung
Für mich steht Fehu für Reichtum, Besitz, Versorgung und das, was bereits vorhanden ist und weiterwachsen kann.
Dabei denke ich nicht nur an Geld oder materiellen Besitz.
Reichtum kann vieles sein.
Wissen.
Eine Fähigkeit.
Zeit.
Ein Zuhause.
Menschen, auf die ich mich verlassen kann.
Eine Möglichkeit, die bereits da ist und nur noch erkannt werden muss.
Fehu zeigt mir, welchen Wert etwas besitzt und was daraus entstehen kann.
Doch sie steht nicht für etwas Starres.
Was Wert hat, braucht Aufmerksamkeit.
Was wachsen soll, braucht Pflege.
Und was sich bewegen darf, kann sich verändern und vermehren.
Für mich liegt genau darin die Kraft von Fehu: nicht nur im Haben, sondern im bewussten Umgang mit dem, was da ist.
Fehu in der Wahrsagung
Wenn ich Fehu in einer Runenbefragung ziehe, richtet sie meinen Blick zuerst auf Wert, Besitz, Versorgung und vorhandene Möglichkeiten.
Sie kann auf finanziellen oder materiellen Wohlstand hinweisen, auf Einkommen, berufliche Chancen, einen Gewinn oder auf etwas, das bereits vorhanden ist und weiterwachsen kann.
Doch Fehu spricht für mich nicht nur von Geld.
Sie kann ebenso Wissen, Fähigkeiten, Zeit, Beziehungen oder Möglichkeiten zeigen, die einen Wert besitzen und bewusst genutzt werden wollen.
Dabei hat Fehu auch eine andere Seite.
Sie kann darauf aufmerksam machen, dass etwas verloren geht, dass Sicherheit ins Wanken gerät oder dass Besitz zu wichtig geworden ist. Manchmal zeigt sie auch, dass wir etwas so festhalten, dass keine Bewegung mehr möglich ist.
Dann frage ich:
Was besitzt du – und was besitzt vielleicht inzwischen dich?
Fehu kann deshalb sowohl Wachstum und Wohlstand als auch Verlust, Verschwendung, Gier oder ein falsches Festhalten sichtbar machen.
Welche Seite sie zeigt, ergibt sich für mich aus der Frage, ihrer Lage innerhalb der Befragung und den Runen, die sie begleiten.
Die Botschaft von Fehu
Fehu erinnert mich daran, den eigenen Reichtum wahrzunehmen.
Nicht nur das, was sich zählen oder besitzen lässt.
Auch Wissen, Erfahrung, Zeit, Möglichkeiten und Menschen können einen Wert tragen, der leicht übersehen wird.
Fehu fragt:
Was ist bereits da?
Was davon braucht Pflege?
Was darf wachsen?
Und was hältst du vielleicht nur fest, obwohl es längst in Bewegung kommen möchte?
Für mich liegt die Botschaft von Fehu deshalb nicht einfach im Mehrhaben.
Sie liegt darin, Wert zu erkennen, Verantwortung dafür zu übernehmen und etwas daraus entstehen zu lassen.
Aus der Überlieferung
Die erhaltenen Runengedichte stammen aus späterer Zeit und nicht unmittelbar aus der Zeit des Älteren Futhark. Trotzdem geben sie uns Hinweise darauf, wie die Namen und Bedeutungsfelder der Runen weiterlebten.
Im altenglischen Runengedicht erscheint Feoh als Wohlstand, der dem Menschen Sicherheit geben kann, zugleich aber auch mit dem Gedanken des Teilens verbunden wird.
Die norwegische und die isländische Überlieferung zeigen eine andere Seite: Fé, Besitz oder Reichtum, kann auch Streit unter Verwandten hervorrufen.
Reichtum kann tragen.
Er kann aber auch trennen.
Für mich widerspricht sich das nicht.
Es zeigt, dass Besitz allein noch nicht darüber entscheidet, was daraus entsteht.
Mit Fehu arbeiten
Ich arbeite mit Fehu, wenn es um Wohlstand, Versorgung, Besitz, berufliche Entwicklung, Wachstum und vorhandene Möglichkeiten geht.
Dabei bedeutet Fehu für mich nicht einfach, möglichst viel anzuziehen oder immer mehr besitzen zu wollen.
Ich nehme sie dann, wenn etwas bereits angelegt ist und weiterwachsen darf.
Wenn eine Möglichkeit gestärkt werden soll.
Wenn ich bewusster mit meinen Ressourcen umgehen möchte.
Oder wenn ich meinen Blick wieder auf das richten will, was bereits vorhanden ist.
Fehu erinnert mich daran, dass Reichtum Bewegung braucht.
Was ich pflege, kann wachsen.
Was ich wertschätze, bekommt Bedeutung.
Und was ich bewusst weitergebe, bleibt nicht einfach nur Besitz.
Meine Sicht auf Fehu
Für mich ist Fehu eine Rune des lebendigen Reichtums.
Sie zeigt mir, was bereits da ist und was daraus entstehen kann.
Sie erinnert mich daran, meine Möglichkeiten nicht zu übersehen und das, was mir anvertraut ist, bewusst zu behandeln.
Besitz allein bedeutet für mich noch keinen Reichtum.
Entscheidend ist, ob ich den Wert dessen erkenne, was ich habe, wie ich damit umgehe und was ich daraus entstehen lasse.
Fehu steht am Anfang des Futhark.
Und für mich beginnt sie genau dort:
bei dem, was bereits vorhanden ist und wachsen darf.