Eihwaz

Ich bin Eihwaz

Ernte, Zyklus und gereifte Zeit.

Schutz, Wandlung und innere Stärke.

Eihwaz ist die dreizehnte Rune des Älteren Futhark.

Anders als bei vielen anderen Runen lässt sich ihr ursprünglicher Lautwert nicht ganz eindeutig bestimmen. In der modernen Umschrift wird sie häufig mit ï wiedergegeben.

Schlüsselwörter

Schutz · Wandlung · innere Stärke · Ausdauer · Übergang · Widerstandskraft · Veränderung · Standhaftigkeit

Name und Herkunft

Für das Ältere Futhark wird der Runenname gewöhnlich als *Īhwaz beziehungsweise *Eihwaz rekonstruiert.

Seine Bedeutung ist Eibe.

In der altenglischen Runentradition begegnet die entsprechende Rune als Eoh, ebenfalls mit der Bedeutung Eibe.

Die Eibe ist ein besonderer Baum.

Sie wächst langsam.
Ihr Holz ist hart und zugleich biegsam.
Und sie kann ein sehr hohes Alter erreichen.

Im altenglischen Runengedicht wird sie als rau an der Außenseite, fest im Boden und von ihren Wurzeln getragen beschrieben.

Für meine Arbeit liegt darin etwas Wesentliches von Eihwaz:

Stärke bedeutet nicht, unbeweglich zu sein. Sie bedeutet auch, Veränderungen auszuhalten, ohne die eigenen Wurzeln zu verlieren.

Grundbedeutung

Für mich steht Eihwaz für Schutz, Wandlung, innere Stärke und die Fähigkeit, schwierige Übergänge auszuhalten.

Dabei unterscheidet sie sich für mich deutlich von Hagalaz.

Hagalaz kann etwas plötzlich erschüttern.

Eihwaz zeigt mir eher die Kraft, die ich brauche, um durch eine Veränderung hindurchzugehen.

Etwas endet.

Etwas verändert seine Form.

Und etwas Neues ist vielleicht noch gar nicht vollständig sichtbar.

Genau diese Zwischenräume können schwierig sein.

Das Alte trägt nicht mehr.

Das Neue trägt noch nicht.

Eihwaz erinnert mich daran, dass ich trotzdem nicht wurzellos bin.

Für mich ist ihre Stärke deshalb keine starre Härte.

Sie ist Widerstandskraft, Anpassungsfähigkeit und das Vertrauen darauf, einen Übergang durchstehen zu können.

Eihwaz in der Wahrsagung

Wenn ich Eihwaz in einer Runenbefragung ziehe, schaue ich darauf, welche Veränderung bereits begonnen hat und welche innere Kraft sie verlangt.

Sie kann auf eine Übergangsphase hinweisen.

Auf etwas, das nicht mehr so bleiben kann, wie es war.

Auf eine Herausforderung, die Ausdauer verlangt.

Oder auf einen Weg, dessen Ende noch nicht vollständig sichtbar ist.

Dann frage ich:

Was verändert sich gerade wirklich?

Woran hältst du fest, obwohl es bereits seine Form verliert?

Und welche Stärke besitzt du, die du vielleicht gerade selbst nicht wahrnimmst?

Eihwaz kann mir auch zeigen, dass Schutz notwendig ist.

Nicht immer vor etwas Äußerem.

Manchmal muss ich meine Kraft schützen.

Meine Grenzen.

Meine Zeit.

Oder etwas in mir, das sich gerade erst entwickelt.

Doch auch Eihwaz besitzt eine andere Seite.

Aus Standhaftigkeit kann Starrheit werden.

Aus Vorsicht kann Angst werden.

Und aus dem Wunsch, sich zu schützen, kann eine Mauer entstehen, hinter der überhaupt keine Veränderung mehr zugelassen wird.

Dann kann Eihwaz auf Widerstand gegen notwendige Veränderung, Angst vor einem Übergang, Verhärtung oder das Festhalten an etwas Vergangenem aufmerksam machen.

Für mich sagt Eihwaz deshalb nicht:

Halte um jeden Preis durch.

Sie fragt:

Was trägt dich durch diese Veränderung – und was musst du dafür loslassen?

Welche Seite sich zeigt, ergibt sich aus der Frage, ihrer Lage innerhalb der Befragung und den Runen, die sie begleiten.

Die Botschaft von Eihwaz

Eihwaz erinnert mich daran, dass Wandlung selten nur aus einem einzigen Moment besteht.

Zwischen dem Alten und dem Neuen liegt manchmal ein Weg.

Und dieser Weg kann unbequem sein.

Ich weiß vielleicht schon, was nicht mehr zu mir gehört.

Aber noch nicht, was danach kommt.

Eihwaz fragt:

Was trägt dich, wenn du noch nicht weißt, wo du ankommen wirst?

Welche Wurzeln bleiben, auch wenn sich vieles verändert?

Und was darf eine neue Form bekommen?

Für mich bedeutet innere Stärke nicht, keine Angst zu haben.

Sie bedeutet, mich von der Angst nicht vollständig bestimmen zu lassen.

Ich darf mich verändern und trotzdem bei mir bleiben.

 

Aus der Überlieferung

Für Eihwaz besitzen wir vor allem die altenglische Überlieferung.

Dort erscheint die Rune als Eoh – Eibe.

Das altenglische Runengedicht beschreibt einen Baum mit rauer Außenseite, der hart und fest im Boden steht und von seinen Wurzeln getragen wird.

Es ist ein Bild von Beständigkeit.

Von Verwurzelung.

Und von einem Baum, der trotz seiner rauen Erscheinung als wertvoll beschrieben wird.

Eine eigene Eihwaz-Strophe gibt es in den norwegischen und isländischen Runengedichten nicht, weil diese auf dem späteren, auf sechzehn Zeichen verkürzten Jüngeren Futhark beruhen.

Die Runengedichte erzählen uns keine historische Wahrsagungsbedeutung von Eihwaz.

Sie geben uns aber das Bild der Eibe.

Meine heutige Verbindung dieser Rune mit Schutz, Ausdauer und Wandlung entwickelt sich aus diesem Bild und aus meiner eigenen Runenarbeit.

Mit Eihwaz arbeiten

Eihwaz erinnert mich daran, dass Wandlung selten nur aus einem einzigen Moment besteht.

Zwischen dem Alten und dem Neuen liegt manchmal ein Weg.

Und dieser Weg kann unbequem sein.

Ich weiß vielleicht schon, was nicht mehr zu mir gehört.

Aber noch nicht, was danach kommt.

Eihwaz fragt:

Was trägt dich, wenn du noch nicht weißt, wo du ankommen wirst?

Welche Wurzeln bleiben, auch wenn sich vieles verändert?

Und was darf eine neue Form bekommen?

Für mich bedeutet innere Stärke nicht, keine Angst zu haben.

Sie bedeutet, mich von der Angst nicht vollständig bestimmen zu lassen.

Ich darf mich verändern und trotzdem bei mir bleiben.

Meine Sicht auf Eihwaz

Für mich ist Eihwaz eine Rune der Übergänge.

Nicht des plötzlichen Zusammenbruchs.

Sondern dieser Phasen, in denen ich bereits weiß:

So wie vorher wird es nicht bleiben.

Und trotzdem weiß ich noch nicht genau, wie es danach aussehen wird.

Gerade dann brauche ich Wurzeln.

Nicht um mich festzuklammern.

Sondern damit ich mich verändern kann, ohne mich selbst zu verlieren.

Die Eibe passt für mich sehr gut zu diesem Gedanken.

Sie steht fest.

Und trotzdem ist sie lebendig.

Sie wächst.

Sie verändert sich.

Sie überdauert.

Für mich liegt darin die Kraft von Eihwaz:

Nicht jeder Wandel nimmt mir meine Stärke. Mancher zeigt mir erst, wie tief meine Wurzeln reichen.